Zur gegenwärtigen Phase der Menschheitsgeschichte
- Details
- 01.01.2024
- 7871
Eine Ansprache von Ian Sample, am 26. July 1991 im Empangsraum des Sitzes des Universalen Hauses der Gerechtigkeit, anläßlich des Programmes Geistige Bereicherung am Bahá'í Weltzentrum.
Das Internationale Lehrzentrum hat eine wunderbare Textsammlung zum Thema Gehorsam erstellt, die Sie alle erhalten haben. Ich gehe davon aus, daß Sie alle damit vertraut sind und möchte daher in meinen Ausführungen einige grundsätzliche Gedanken behandeln - hauptsächlich Gehorsam in Beziehung zur Freiheit der Gedanken und ebenso die Bedeutung des Gehorsams für die Entwicklung des einzelnen Menschen wie auch für die Gesellschalt als Ganzes.
Die Menschheit hat praktisch während ihrer gesamten Vergangenheit entsetzlich an Tyrannei gelitten. Dadurch wird Gehorsam heute häufig gleichgesetzt mit sklavischer Unterwürfigkeit und Ergebenheit in Unterdrückung - oder noch schlimmer: Sie wird als Entschuldigung für die Teilnahme an Verfolgungen genutzt. Da Sie eine Weile in Isreal gelebt haben, wissen Sie, daß dies häufig thematisiert wird, wenn über den Holocaust gesprochen wird. Jene, die am Holocaust beteiligt waren, sagten: "Nun, ich gehorchte lediglich den Befehlen; dafür kann man mich doch nicht belangen." Wegen dieser Vergangenheit der Unterdrückung wurde dem Gehorsam eine große Verachtung zuteil und "rücksichtslose" Individualität wird als das wahre Ziel des sozialen Lebens gepriesen. Wie ist dann vor diesem Hintergrund das folgende Zitat Bahá'u'lláhs zu verstehen:
Was der Menschheit an diesem Tage nottut, ist Gehorsam gegen die, welche die Gewalt in Händen haben, und gewissenhaftes Festhalten am Seile der Weisheit.
(ÄL 102)
Um dies zu verstehen, sollten wir die Kehrseite dieser Medaille betrachten. Wir müssen die unwahrscheinlich großen Probleme der Menschheit schätzen lernen, die durch gewaltsamen Nationalismus und Stammesstrukturen entstehen, durch die Gier der Einzelnen und den entwurzelten Vergleichskampf im Wirtschaftsleben, durch zügellose, unzulässige Unmoral und durch das ständig wachsende Vorkommen von Kriminalität und Terrorismus. Dies alles sind Verzerrungen der Freiheit.
Die Vergangenheit hat in der Tendenz gezeigt, daß die Menschheit zwischen den beiden Extremen, Tyrannei und zügelloser Ausschweifung, hin- und herpendelt und dabei auch glückliche Zeiten erlebt, wenn sie einen gemäßigten Bereich erreicht hat. In der Bahá'í-Gemeinschaft streben wir kein gemäßigtes Gleichgewicht zwischen Freiheit und Gehorsam an. Stattdessen lernen wir durch die Lehren Bahá'u'lláhs, wie wir in Freiheit der göttlichen Richtschnur Gehorsam leisten können und erkennen somit Gehorsam und Freiheit als ein harmonisches Ganzes an. Wir sollten sie nicht länger als Gegenspieler betrachten.
Um dieses Konzept genauer zu untersuchen, möchte ich es in das Licht der folgenden fünf Prozesse stellen:
- Der erste ist, daß wir uns als die höchsten Quellen der Autorität betrachten.
- Beim zweiten geht es darum, die eigene Mangelhaftigkeit zu erkennen.
- Der dritte besteht darin, eine Quelle der Autorität außerhalb des eigenen Seins zu anzuerkennen.
- Der vierte ist es, die Anforderungen dieser Autoritätsquelle verstehen zu lernen.
- Der fünfte ist die Rolle der Entscheidung bei der Durchführung dieser Anforderungen.
Die Grundlage für jegliche Entwicklung ist die Selbsterkenntnis und die Anerkennung der Verantwortung für das eigene Leben.
Der nächste Schritt ist die Erkenntnis, daß es zum Chaos im Leben einer Person und in der gesamten Gesellschaft führt, wenn jeder seinen eigenen Neigungen folgt.
Dies führt uns dazu, die äußere Autoritätsquelle für das Wahre und Richtige zu suchen. Wenn wir glauben, diese gefunden zu haben, ist es wichtig, sie zu bestätigen. Wenn wir das nicht tun, opfern wir eine der grundlegendsten Rechte und Pflichten der Menschheit.
Haben wir uns entschieden, daß eine Quelle Gültigkeit besitzt und wollen wir ihr gehorchen, können wir dies nur in das tägliche Leben umsetzen, wenn wir verstehen, was diese Quelle der Macht von uns erwartet.
Sollten wir schließlich unsere Intelligenz und Urteilsfähigkeit bei der Ausführung von Gehorsam gegenüber der Autorität nicht einsetzen, kann es darauf hinauslaufen, daß wir das Gegenteil dessen tun, was sie wirklich beabsichtigt.
Alle fünf der genannten Vorgänge erfordern die Übung unserer Urteilskraft. Sie stellen die Ablehnung der Vorgehensweise des "blinden Gehorsams" dar und ich glaube, daß dieser blinde Gehorsam im Widerspruch zum Glauben steht. Gehorsam besteht für einen Bahá'í darin, durch eigenen Willen dem zu folgen, was man als Recht erachtet. Blinder Gehorsam ist ein Verzicht auf den freien Willen.
Die durch Gott jeder einzelnen Seele übergebene Verantwortung, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen, wird immer wieder in den Schriften betont. Betrachten Sie die folgenden Worte Bahá'u'lláhs. Der erste Abschnitt ist so vertraut, daß man in Gefahr gerät, zu versäumen, über die vielen Elemente nachzudenken, die er enthält. Deshalb werde ich ihn mit Unterbrechungen lesen:
O Sohn des Geistes!
Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit. Wende dich nicht ab von ihr, wenn du nach Mir verlangst, und vergiß sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann. Mit ihrer Hilfe sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch die eigene Erkenntnis Wissen erlangen und nicht durch die deines Nächsten. Bedenke im Herzen, wie du sein solltest. Wahrlich: Gerechtigkeit ist Meine Gabe und das Zeichen Meiner Gnade. So halte sie dir vor Augen.
(VW, 2)
Weiter besitzen wir die drei folgenden Textstellen, die das gleiche Thema behandeln:
Urteilt gerecht über die Sache Gottes, eures Schöpfers, schauet, was vom Throne der Höhe herabgesandt ist, und denkt darüber nach mit reinem, geheiligtem Herzen. Dann wird euch die Wahrheit dieser Sache so offenbar erscheinen wie die Sonne in ihrer Mittagsherrlichkeit. Dann werdet ihr zu denen gehören, die an Ihn glauben.
(ÄL 52)
Vergeßt nicht die Ehrfurcht vor Gott, ihr Gelehrten der Welt, und urteilt gerecht über die Sache dieses Ungelehrten, für den alle Bücher Gottes, des Beschützers, des Selbstbestehenden, gezeugt haben.
(ÄL 44)
Dies ist wahrlich ein Zeichen Seiner sanften Barmherzigkeit für die Menschen, jeder Seele hat Er die Fähigkeit verliehen, Gottes Zeichen zu erkennen. Wie sonst hätte Er den Menschen Sein Zeugnis erbringen können - gehörtet ihr doch zu denen, die im Herzen über Seine Sache nachdenken. Niemals wird Er ungerecht mit irgend jemandem verfahren, noch wird Er eine Seele über ihr Vermögen belasten. Er, wahrlich, ist der Mitleidige, der Allbarmherzige.
(ÄL 52)
In diesen und vielen weiteren Texten ruft uns Bahá'u'lláh auf, nicht einfach zu gehorchen, sondern unseren Verstand zu gebrauchen, gerecht zu urteilen, anzuerkennen und dann zu glauben und zu gehorchen. Er versichert uns, daß wir alle die Fähigkeit besitzen, die Wahrheit zu erkennen und ihr zu folgen.
Daß eine absolute Autorität in uns wohnt, trifft für jeden Menschen zu, ob er dies nun versteht oder auch nicht. Man mag diese Autorität nicht anerkennen, um sich wie Treibgut in der Strömung der Gezeiten umhertreiben zu lassen, und man wird für sein eigenes Leben sorgen.
Allzu oft suchen wir heutzutage Gründe für unsere Handlungen, die Bedingungen und Begebenheiten, die außerhalb unserer Kontrollmöglichkeit liegen und die durch unsere Vererbung, unsere Erziehung oder unsere derzeitige Lage vorgegeben sind. Da ist sicher etwas Wahres dran und ich behaupte nicht, daß keine Einflüsse auf uns ausgeübt werden.Aber in den meisten Fällen sind es doch vollkommen schwache Entschuldigungen dafür, etwas falsches zu tun oder zu versäumen, das zu tun, wovon man im tiefsten Inneren weiß, daß es richtig wäre.
Jeder hat immer die Wahl, sich äußerlichen Einflüssen zu beugen oder Schritte zu unternehmen, diesen zu begegnen, also einer äußeren Autorität zu gehorchen oder auch nicht. Schritte zur Veränderung unserer Bedingungen zu unternehmen, erfordert Anstrengungen, was dazu führen kann, daß wir diese Schritte nicht gehen - aber dies ist dann unsere eigene Entscheidung.
Manchmal hat die Entscheidung, einer äußeren Autorität zu widersprechen, so unangenehme Folgen, daß man sich entscheidet, gegen die eigene Überzeugung zu gehorchen. Doch auch das ist dann eine eigene Entscheidung. Schließlich wird jemand, der glaubt, die Entscheidung ist von Wichtigkeit, eher den Tod akzeptieren, als falsch zu entscheiden. Aber es besteht immer wieder die Wahlmöglichkeit und das ist meiner Meinung nach sehr wichtig zu beachten, denn häufig findet man jemanden, sich entschuldigend sagen: "Es tut mir leid, aber ich konnte nicht handeln wie es richtig gewesen wäre - sonst wäre ich erschossen worden!" Das war dann auch seine Entscheidung: Er hätte auch die Erschießung hinnehmen können.
Im Iran waren die Verfolger der Sache häufig erstaunt, daß die Bahá'í hinnahmen - ehe sie ein Wort der Verleugnung des Glaubens über die Lippen brachten - sich hinrichten zu lassen. Dies ist, wo wir unabhängig und stark sein müssen.
Somit ist der erste Orientierungspunkt, den jeder Mensch an sich anlegen muß, er selbst und die ihm von Gott verliehene Fähigkeit, selbst zu entscheiden. Für einen Atheisten oder einen Agnostiker gibt es keinen zentralen Referenzpunkt außer ihm selbst und seinen eigenen Wünschen und Ideen. Selbst, wenn er überhaupt nicht denken sollte, läßt er sich vollkommen von seinen Wünschen und Vorlieben treiben - mit anderen Worten, nicht durch das, was er für richtig hält, sondern nur durch das, was er fühlt. Nur wenige Menschen existieren auf dieser, unter dem tierischen Verhalten anzusiedelnden, Ebene. Zum Glück beginnen sie früher oder später darüber nachzudenken, was am Besten für sie ist. Sie üben die Kräfte, die in der eigenen Entscheidung liegen. Aber gewöhnlich vollenden sie diesen Prozeß nicht. Viele leben nur von einem Tag zum anderen, indem sie den Moden und Launen der Gesellschaft, in der sie leben, folgen. Sie nehmen deren Vorurteile auf und folgen deren Maßstäben.
Folgt ein Individuum unkritisch seinen selbstbezogenen Entscheidungen, kommt es zwangsläufig in Konflikt mit anderen und erhöht somit die Gesamtheit der Probleme in der Welt. Unweigerlich geraten alle, wenn die Nummer 1 als erstes kommt, und jeder Mensch sich selbst als Nummer 1 ansieht, in eine Konfliktsituation. Dies passiert, egal ob er andere für die Befriedigung seiner Bedürfnisse zu dominieren versucht oder auch nicht. Auf der anderen Seite hat das gedankenlose Befolgen von gesellschaftlichen Vorurteilen oder der Vorgaben eines Führers die Feinseligkeit von anderen Gruppierungen zur Folge. Beides führt zu geistigem Verfall und Chaos. In den "Sieben Beweisen" schreibt der Báb:
In jedem Lande siehst du zahllose geistliche Führer ohne Urteilskraft, in jedem Volk abertausend Mitläufer, denen dieselbe Eigenschaft fehlt. Denke in deinem Herzen eine Zeitlang darüber nach, habe Erbarmen mit dir selbst und wende deine Aufmerksamkeit nicht von Beweisen und Zeugnissen ab.
(AB, 4,9)
Weiter vorn, im gleichen Buch sagt er:
Nein, bei Gott, sei du weder ein Geistlicher ohne Urteilskraft noch Mitläufer ohne Urteilskraft, denn
am Tage der Auferstehung werden beide vergehen.
(AB, 4,9)
Sobald eine Seele beginnt, nachzusinnen, nicht darüber, was sie tun kann, um nur das eigene Selbst zufrieden zu stellen, sondern was sie tun sollte; wenn sie sich erlaubt, zu erwägen, was richtig oder falsch ist; wenn sie über den Sinn ihres Lebens nachdenkt; wenn sie mit anderen Worten eine erkennende Person wird, hat sie den ersten Schritt weg von der wirklichen Gottlosigkeit getan. Wirklichkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind Eigenschaften Gottes und wer immer eine solche sucht, sucht Gott. Viele der selbsternannten Atheisten sind nicht wirkliche Atheisten. Sie haben bei ihrer Suche nach Wahrheit lediglich hinter die Oberflächlichkeit der traditionellen Religion geblickt. Ich glaube, das ist es, was wir zur Zeit im Osten beobachten können. Viele Menschen, die sich als Atheisten bezeichnen, haben dennoch ein geistiges Herz und wissen nur nicht, wonach sie Ausschau halten. Sie sind nun dabei, es zu finden.
Jeder, der beginnt, auf diese Weise zu denken, wird sich nach Beispielen und Vorbildern für sein Handeln umsehen, die scheinbar erfolgreich sind und denen er folgen kann, um ähnlich erfolgreich zu sein. Dabei ist es unabhängig davon, ob er Atheist ist oder nicht. Als Grundlage hat er die ganzen Verhaltensmuster, die er in seiner Kindheit kennenlernte. Er wird sie behalten oder für andere neue Muster verwerfen. Aber selbst dann, wenn er einen Referenzpunkt außerhalb von sich selbst findet, wird es schwer für ihn sein, über seine derzeitige Ebene hinauszuwachsen. Es ist, als ob man sich an seinem eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen wolle - man ist dazu einfach nicht in der Lage.
Solange ein Mensch das Zentrum des eigenen Universums bleibt, wird er auf seine eigene Wesensart beschränkt bleiben. Wir haben alle schon Mitglieder der Bahá'í-Gemeinschaft getroffen, die an diesen Beschränkungen litten. Schauen wir uns zum Beispiel jemanden an, der sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt und der durch eigene Lebenserfahrungen und Ideen anderer eine Philosophie der sozialen Reform entwickelt hat, die sehr nahe verwandt mit den Lehren Bahá'u'lláhs ist. Wenn er dem Glauben begegnet, findet er eine ganze Gemeinschaft mit den gleichen Ideen. Er erklärt sich als Bahá'í und wird ein Mitglied dieser Gemeinschaft. Wenn sich die Grundlage für seine Anziehung nicht verändert, wird er früher oder später mit Bahá'í-Lehren in Kontakt kommen, die nicht in sein Weltbild passen. Sie werden eine Herausforderung für ihn sein und er wird versuchen, den Glauben so zu verändern, daß er besser zu seinen eigenen Idealen paßt. Dies wird ihm jedoch nicht gelingen und er wird in seiner Enttäuschung dem Glauben den Rücken kehren und sich mit anderen Gleichgesinnten zusammen tun, mit denen er jedoch auch keine absolute Übereinstimmung erreichen wird. D. h., da er selbstbezogen ist, wird er sein Leben lang auf eine gewisse Weise alleine bleiben. Er wird Verbindungen mit anderen Menschen eingehen, sie jedoch auch wieder brechen.
Das bedeutet, jeder Mensch muß seine eigene Unvollkommenheit erkennen und den gemeinschaftlichen Mittelpunkt außerhalb seines Selbstes suchen. Nur dann besteht für die einzelne Seele die Möglichkeit zur vollständigen Entwicklung und sie wird fähig, mit anderen zusammen in Harmonie für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu arbeiten.
Solange ein Mensch kein wirklich gebietendes Zentrum besitzt, das in Harmonie mit der Natur des Universums steht, wird keine Verbindung mit anderen Individuen bestehen bleiben. Deshalb werden sich rein soziale Bewegungen und politische Parteien verändern, aufspalten und abschließend zusammenbrechen. Dabei ist es egal, wie groß die Loyalität ist, die ihnen entgegengebracht wird. Wenn wir aber unsere individuelle Autorität und Freiheit einer externen Autorität unterwerfen, haben wir die Pflicht, diese Quelle der Autorität zu bestätigen, ob es eine bürgerliche Regierung, eine politische Partei oder was auch immer ist.
Der entscheidende Unterschied zwischen Religion und Philosophie ist, daß Religion für sich beansprucht, eine Verbindung zu Gott selbst, dem Schöpfer, dem Erhalter, dem Urheber des Universums zu haben. Sie stellt nicht lediglich die Zusammenfassung wohlüberlegter Ideen, sondern vielmehr die Offenbarung ewiger Wahrheit dar. Die Autorität, die sie beansprucht, ist absolut. Darin ist sowohl ihre Stärke als auch eine Gefahr enthalten. Die Stärke ist, daß jemand, der direkt mit Gott verbunden ist, zu Harmonie mit Wahrheit, Gerechtigkeit und Schönheit gelangt. Die Gefahr liegt darin, einem falschen Propheten den Gehorsam zukommen zu lassen, der allein Gott selbst geschuldet werden kann. Dann verfällt man in eine Verwirrung, die weit schlimmer ist, als jede Form von Philosophie sie erzeugen kann. Bedenkt welche Verheerungen durch charismatische Führer wie Hitler ausgelöst wurden. Sie haben für sich absolute Loyalität und Gehorsam durch ihre Anhänger beansprucht. Solche Führer erzeugen Pseudo-Religionen, die mit politischen Parteien nichts mehr zu tun haben. Die Anerkennung der Quelle der Autorität ist bei den Religionen von höchster Wichtigkeit.
Kein Wissen ist von größerer Bedeutung für die einzelne Seele, als die Erkenntnis, daß jeder die Verantwortung hat, die Wahrheit zu suchen und dabei Fehlentscheidungen auszuschließen. Jeder hat sodann die absolute Pflicht, dieser Wahrheit zu folgen, wo auch immer sie hinführt. Wir müssen erkennen, daß Gott nicht mit sich handeln läßt.
Bahá'u'lláh enthüllt diese Wahrheit in einem Satz eines Seiner Gebete: "Welche Kraft können die schattenhaften Geschöpfe als ihr Eigentum beanspruchen, wenn sie Ihm, der der Ungeschaffene ist, gegenüberstehen.
Nun ist dies eine sehr wichtige, eine sehr folgenreiche und äußerst unbequeme Wahrheit. In diesem Zusammenhang möchte ich etwas über die Gottesfurcht sagen. Denn wenn jemand wirklich über Gott nachdenkt, ist dies eine beängstigende Aussicht. Wenn jemand ein Atheist ist, der überhaupt nicht an Gott glaubt, kann dieser sich bis zu einem bestimmten Punkt blind stellen für die Abscheulichkeiten dieses Universums, indem er von Tag zu Tag hetzt. Aber wenn er wirklich über es nachdenkt, wird das Universum zu einem entsetzlichen Ort. Wir brauchen nur die Größenordnung der Sterne zu betrachten, oder die Sonne selbst mit ihren Sonnenflecken und dann über uns winzig kleinen Mikroben nachdenken, wie wir uns auf der Erdoberfläche bewegen. Wir sind zutiefst machtlos; was können wir also tun? Was können wir für die Zukunft tun? Dies war eines der theoretischen Probleme, mit denen sich die kommunistischen Denker vor einigen Jahren befassen mußten. Sie hatten die großartige Idee, daß die Menschen für eine bessere Zukunft altruistisch und selbstlos sein sollten. Ein Individuum hatte nach ihren Vorstellungen kein zukünftiges Leben -- es gab kein ewiges Leben -- aber die Zukunft lag in einer aufzubauenden Gesellschaftsform. Man diente dort so gut man konnte, man liebte seine Mitmenschen und man schuf eine Welt, die ein Muster an Perfektion werden sollte. Diese Welt sollte dann jedermans ewiges Leben darstellten.
In Probleme gerieten sie, als sie bemerkten, daß die Menschen erkannten, diese Welt würde selbst nicht für ewig bestehen. Irgendwann würde auch sie zerstört werden. D. h. es gibt keine ewige Zukunft durch die Verbesserung dieser Welt. Und wenn es keine andauernde Zukunft gibt, fragt man sich: "Warum soll ich mich darum kümmern? Warum soll ich diese rund 70 Jahre für etwas Opfer erbringen, daß sowieso nicht für immer Bestand haben wird?" Pascal hat vor Jahrhunderten dieses Problem erkannt: Die Armut und das Elend dieser Welt sind ohne Gott für die Menschen unerträglich. Sie fangen dann an, nach Ablenkungen zu suchen, um sich davon abzulenken. Darum wird auch eine Gesellschaft, die mehr und mehr unreligiös wird, zunehmend von Vergnügungen und Ablenkungen und Kitzel eingenommen. Denn die Menschen können die Wahrheit nur schwer ertragen.
Festzustellen, daß diese Welt nicht nur eine Ansammlung von Atomen und Molekülen ist, sondern daß da etwas ist, das sie steuert -- daß da mit anderen Worten Gott ist -- kann für eine Weile ein interessantes philosophisches Konzept sein, bis man es ernsthaft untersucht. Wenn man dann feststellt, daß Gott wirklich Gott ist, kann man Ihn nicht mehr beliebig bezeichnen. Und: man kann nicht mit Ihm handeln. C.S. Lewis verfaßte hierüber einst einen Kommentar. Als er die Realität Gottes erkannte, stellte er auch eine Forderung fest, die durch Ihn gestellt wurde. Gott sagte nicht: "Gib mir alles oder nichts." Da gibt es keine Wahl. Er sagte: "Alles". Das ist es. Da gibt es keine Alternativen. Gott ist Gott.
Dies ist schwer, aber wichtig zu akzeptieren. Die unglaublichen Gnaden, die wir durch die Manifestationen erfahren, sind das Wissen, daß diese unverständliche Kraft hinter diesem Universum keine blinde und willkürliche Kraft ist. Vielmehr ist es das Wissen, daß die Kraft der Liebe, Wahrheit und Schönheit dahintersteckt, daß die einzelne menschliche Seele aus Seiner Sicht wichtig ist und daß sie in Seiner Obhut ist. Dies ist eine revolutionäre Idee und ist der Kern jeder wahren Religion.
Aber nach wie vor müssen wir hinnehmen, daß wir nicht mit Gott handeln können. Ich empfehle jedem von Ihnen, der Schwierigkeiten damit hat, das Konzept der Furcht vor Gott anzunehmen oder mit den Ungerechtigkeiten in dieser Welt hadert, daß er das Buch Hiob liest. Dies ist ein sehr altes Buch, aber behandelt dieses Problem. Hiob ist ein sehr aufrichtiger Mann, ein sehr gesunder Mann, ein sehr wohlhabender Mann und in der Geschichte -- bei der Geschichte handelt es sich um ein Gleichnis -- kommt der Teufel zu Gott und spricht: "Schau, er ist doch nur so gut, weil Du ihn so gut behandelst. Nimm ihm seine ganze Gesundheit, sein ganzes Glück und er wird Dir nicht mehr gehorchen." Da sagte Gott: "In Ordnung" und Er erlaubte dem Teufel, Hiob alles zu nehmen, was er hatte. Von da an lief bei Hiob alles schief. Es kommen eine ganze Reihe von Freunden und schlechten Tröstern, die wie ein Refrain in der Geschichte wirken und Hiob erklären, warum alles schief geht. Sie versuchen, ihm klar zu machen, daß alles so käme, weil er gesündigt haben muß. "Nein, ich habe nicht gesündigt," sagt Hiob. "Ich werde nicht sagen, daß ich gesündigt habe, denn ich habe nicht gesündigt! Ich werde nicht bestraft für etwas, das ich getan habe." Aber er verfolgte weiterhin seinen Weg des Gehorsams zu Gott und seiner Liebe zu Gott. Er erklärte: "Selbst, wenn Er mich hinrichtet, werde ich an Ihn glauben." Das ganze läuft so weiter und wir erhalten die verschiedensten Rechtfertigungen für das, was passiert. Schließlich ist Hiob davon überzeugt, daß er Gott befragen müsse. Und Gottes Stimme erklingt aus einem Wirbelwind:
Da antwortete der Herr dem Hiob aus dem Wettersturm und sprach: Wer ist es, der den Ratschluß verdunkelt mit Gerede ohne Einsicht? Auf, gürte Deine Lenden wie ein Mann: Ich will dich fragen, du belehre Mich! Wo warst Du, als Ich die Erde gegründet? Sag es denn, wenn du Bescheid weißt. Wer setzte ihre Maße? Du weißt es ja. Wer hat die Meßschnur über ihr gespannt? Wohin sind ihre Pfeiler eingesenkt? Oder wer hat ihren Eckstein gelegt als die Morgensterne jauchzten, als jubelten alle Gottessöhne?
(Hiob, 38:1 ff)
Es gibt keine Möglichkeit für uns, das Wesen Gottes oder Seine Absichten zu verstehen. Wir müssen dies einfach hinnehmen. Dies ist, lassen Sie es mich so sagen, die Furcht und zugleich die Erhebung, wenn wir schließlich das Wesen Gottes akzeptieren. Ich habe nie die besondere Begebenheit vergessen, durch die ich diese Wahrheit erfuhr. Sie wurde mir klar durch einen jungen Mann, mit dem ich zusammen zu arbeiten hatte. Er war ein Büroangestellter in einer Firma, in der ich Buchhalter war. Irgendwann befragte er mich über den Glauben. Ich glaube, ich gab ihm damals "Bahá'u'lláh und das neue Zeitalter" und dann trennten sich unsere Wege. Eines Tages hatten wir wieder eine gemeinsame Aufgabe und er sagte zu mir: "Wissen Sie, ich hatte damals keine Wahlmöglichkeit mehr. Als ich anfing, das Buch zu lesen, stellte ich fest, daß es so wichtig war, daß ich keine andere Wahl hatte, als es zu Ende zu lesen und zu entscheiden, ob es wahr oder falsch ist. Und wenn ich es als wahr erachte, habe ich keine andere Wahl als dem zu folgen." Nun es gibt nicht so viele Menschen, die eine so tiefe Empfindungsgabe haben, so kurz, nachdem sie über den Glauben gehört haben -- er hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden, ob es wahr ist. Aber er studierte und er entschied und er nahm den Glauben an. Er verstand die Wahrheit folgender Worte Bahá'u'lláh's sehr gut:
Sie sollten keinesfalls ihrer Phantasie erlauben, ihre Urteilskraft zu trüben, noch sollten sie ihre eigenen Vorstellungen für die Stimme des Ewigen halten.
(ÄL 160)
Einzuräumen, daß Gott Gott ist, zu akzeptieren, daß man nur ein kleiner Teil Seiner Schöpfung ist und zu verstehen, daß die Erfüllung der Übung der eigenen unabhängigen Autorität die Unterordung unter die Autorität Gottes ist, kann eine sehr demütigende und schmerzliche Erfahrung sein. Einmal vollzogen, bringt es einen Zuwachs an Freude und Kraft, die man kaum erwartet hätte. Denn man hört auf, alleine zu sein. Man wird ein hilfreicher integrierter Bestandteil des ganzen Universums. Es ist eine Offenbarung des Geheimnisses des Opfers und der erstaunlichen Tatsache, daß Gott Liebe ist.
Eine Gefahr verbirgt sich darin, daß die Freude, die solch eine Selbstaufgabe mit sich bringt, in gewisser Weise auch von jemandem erfahren werden kann, der sich einem falschen Propheten hingibt, so wie von jenem, der sich der wahren Manifestation Gottes weiht. Selbstaufgabe ist als solches eine Tugend und man kann das gleiche erhebende Gefühl haben, wenn man sich dem Falschen weiht. Dies ist die Gefahr. Die Methoden, wie wir die Wahrheit suchen und akzeptieren können, kennen wir, weshalb ich hierüber keine Ausführungen machen werde. Sie erinnern sich alle an die vier Kriterien, die 'Abdu'l-Bahá uns zur Ermittlung der Wahrheit genannt hat: Die Sinne, den Verstand, die Tradition und die Inspiration. Jeder dieser Wege kann fehlbar sein, aber wir geben unser Bestes, sie alle zu kombinieren und es ist die Führung Gottes, die uns die endgültige unfehlbare Führung gibt.
Was passiert, wenn wir nach unseren besten Möglichkeiten unsere Sinne, unseren Verstand, unsere Traditionen und unsere Inspiration angewandt haben und wir dachten, daß die Quelle der Autorität gültig ist und haben ihr dann Gehorsam geleistet, dies aber trotz allem falsch war? Wie können wir unseren Fehler herausfinden?
Diese Frage bringt uns zum vierten Prozeß, den ich zu Beginn erwähnte.
In seinem Brief an die Palästina Sonderkommission der Vereinten Nationen hielt Shoghi Effendi fest, der Glauben "beinhalte für die Anhänger als erste Pflicht, sich auf die entfesselte Suche nach Wahrheit begeben.
Dieses Gebot bedeutet zur gleichen Zeit den Schutz davor, einem falschen Propheten zu folgen, den Ursprung des Lichtes der Beratung und die Garantie der erfolgreichen Umsetzung der Anweisungen Bahá'u'lláh's in den Worten des Paradieses:
Schulen müssen die Kinder zuerst in den Grundsätzen der Religion erziehen, so daß Verheißung und Drohung, wie sie in den Büchern Gottes geschrieben stehen, die Kinder von Verbotenem abhalten und mit dem Mantel der Gebote schmücken; aber dies muß in solchem Maß geschehen, daß es die Kinder nicht durch Abgleiten in eifernde, bigotte Unwissenheit schädigt.
(BOT 6,28)
Wir kehren wieder zurück zu der Antithese zwischen blindem Gehorsam und willentlichem, bewußtem Gehorsam, die ich zu Beginn des Vortrages erwähnte. Sie mögen fragen: "Aber warum sollen wir unsere unabhängige Suche nach Wahrheit fortsetzen, nachdem wir sie durch die Anerkennung Bahá'u'lláh's gefunden haben? Würde dies nicht andeuten, daß wir Zweifel an Seiner Position haben?" Glauben Sie etwa, daß die Erkenntnis Bahá'u'lláh's das Ende ist? Sicher ist es nur der Anfang. Wenn man akzeptiert, daß Bahá'u'lláh die Manifestation Gottes ist, daß Er, Seine Handlungen und Seine Worte ein perfekter Spiegel der Natur Gottes sind, Seiner Wahrheit, Seiner Absichten für dieses Zeitalter, dann beginnt eine lange Aufgabe, genau zu erfassen, was er uns sagen will, Seine Befehle in unserem täglichen Leben umzusetzen und es zuzulassen, daß das Licht Seiner Offenbarung unser Herz und unseren Verstand erleuchtet. Dies kann nicht passieren, wenn wir die Türen unseres Geistes verschließen.
Ein wahres Prinzip für eine Handlung bleibt wahr, egal auf wen es angewendet wird. Das anhaltende Suchen nach Wahrheit ermöglicht es den Anhängern eines wahren Propheten, Ihm immer näher zu kommen, Seine Lehren aufzunehmen und sie in ihr Leben zu integrieren. Das gleiche Prinzip, wenn es auf die Anhänger eines falschen Propheten angewendet wird, wird ihnen früher oder später ermöglichen, den Irrtum zu erkennen. Dies ist auch der Grund, warum falsche Propheten von ihren Anhängern blinden Gehorsam fordern. Sie fürchten die Wahrheit - und dies aus gutem Grund. Aber warum sollte Er, der die Wahrheit selbst ist, jemals leiden durch das Streben nach Wahrheit Seiner Anhänger?
Dann wäre da noch die Sache mit unserer Vertiefung in die Lehren. Wie können wir uns vertiefen, wenn wir nicht über sie nachdenken, wenn wir sie uns nicht gegenseitig erzählen, wenn wir sie nicht ausprobieren und sie untersuchen im Lichte der Erfahrung? Die Lehren Bahá'u'lláh's sind dazu da, die Menschheit für mindestens die nächsten 1.000 Jahre zu bereichern. Ist es dann überhaupt vorstellbar, daß wir ohne eine Menge tiefgreifender Überlegungen wirklich verstehen, was Er uns sagt und was Er von uns an Handlungen erwartet.
Nur durch unabhängiges, klares Nachdenken über den großen Umfang der Lehren kann man das Wachstum seines Verständnisses fördern.
Aber nicht nur die Texte sind Quelle der Führung. Bahá'u'lláh hat uns auch noch die Beratung als Instrument der Führung an die Hand gegeben. Damit dieses funktioniert, müssen wir die Freiheit der Gedanken ebenso üben, wie die aufrichtige Äußerung, Höflichkeit und Gehorsam. Ohne die Anwendung der ungehinderten Suche nach Wahrheit und ohne den Gehorsam gegenüber Beschlüssen, wird Beratung fruchtlos sein.
Somit haben wir den Bedarf an uneingeschränkter Suche nach Wahrheit im Verstehen der Voraussetzungen von Autorität begründet. Was können wir tun, wenn wir feststellen, daß wir diese Voraussetzungen nicht akzeptieren können. Dies kann auf verschiedenen Ebenen geschehen und ist ein Problem, dem ehrlich gegenübergetreten werden sollte und das es gilt, anzugehen.
- Da könnte z.B. ein Gebot von Bahá'u'lláh selbst sein, welches wir nicht verstehen oder bei dem es uns schwer fällt, zu gehorchen.
- Es könnte aber auch ein Prinzip des Glaubens oder eine Anweisung des Hüters oder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit sein, welches uns große Unannehmlichkeiten beschert oder das uns bei Befolgung in Gefahr bringt.
- Oder es handelt sich um eine Entscheidung eines Geistigen Rates, von der wir überzeugt sind, daß sie falsch ist.
Wie können wir in solchen Fällen reagieren. Sie alle führen uns zurück zum früheren Stadium des Prozesses: Die Bestätigung der Quelle der Autorität. Wenn wir Schwierigkeiten mit dem Verständnis oder dem Gehorsam gegenüber Gesetzen Bahá'u'lláh's haben, sollten wir keine Hemmungen haben, die Basis unseres Glaubens zu überprüfen. Wir haben Bahá'u'lláh als die Manifestation Gottes aus Gründen anerkannt, von denen wir überzeugt sind, daß sie Gültigkeit hatten.
Was bedeutet nun diese eine Unstimmigkeit mit Seinen Schriften? Ist sie ernst genug, um die Beweise, die mich zunächst zu Seiner Anerkennung führten, in Zweifel zu ziehen? Oder ist es ein Hinweis auf meine eigene Unzulänglichkeit? Stellt man dann fest, der Glaube in Bahá'u'lláh ist nicht erschüttert und lediglich ein bestimmtes Gesetz bereitet das Problem, dann sollte man auf der Grundlage des Glaubens gehorchen. Eine weitere Qualität ist in diesen Prozeß mit einbezogen und dies ist die Loyalität. Wenn jemand eine Manifestation Gottes anerkennt, beginnt er, eine Beziehung zu Ihr aufzubauen. Diese Beziehung läßt ein tieferes Verständnis wachsen. Dies wiederum ist verbunden mit einer wachsenden Loyalität. Loyalität hat ihre Grundlagen in der Erfahrung, dem Wissen und der Verpflichtung. Sie schützt einen davor, durch jede Anspielung gegen Ihn, dem man die Loyalität ausgesprochen hat, aus dem Gleichgewicht geworfen zu werden. Ich muß noch einmal betonen: Dies ist nicht blinder Glauben oder blinder Gehorsam: 'Abdu'l-Bahá sagt in diesem Zusammenhang:
Unter Glauben versteht man zuerst bewußtes Wissen, dann das Tun guter Taten.
(GL, S. 58)
Wir haben ein dauerhaft gegründetes Vertrauen in Bahá'u'lláh als eine Autoritätsquelle in allen Dingen. Manchmal schreiten wir voran mit einem klaren Verständnis für das, was Er von uns erwartet. Manchmal fühlen wir uns im Dunkeln zurückgelassen, weil unser Verständnis noch nicht genügend gewachsen ist. Das Licht, das uns durch solch dunkle Flecken führt, ist unser Glauben an Ihn; unser Wissen, daß Er, obwohl es uns im Moment anders erscheint, recht hat, und daß Er es wirklich besser weiß als wir. Dieses Wissen läßt uns in vollstem Vertrauen entsprechend handeln und ich betone dieses "vollste Vertrauen". Es handelt sich nicht um abgeneigten Gehorsam gegenüber einem Gesetz, mit dem wir nicht übereinstimmen. Es ist Gehorsam aus vollem Herzen, wenn wir einem Gesetz folgen, das wir nicht verstehen können, von dem wir aber wissen, daß es richtig ist. Wie Shoghi Effendi bereits schrieb:
Können wir anzweifeln, daß die Wege Gottes nicht notwendigerweise auch die Wege der Menschheit sind? Ist nicht Glaube ein anderer Begriff für hintergründigen Gehorsam, vollherzige Ergebenheit, kompromißlose Befolgung dessen, von dem wir glauben, daß es die Offenbarung und der Ausdruck des Willens Gottes ist? Es mag jedoch verwirrend erscheinen, oder als Abweichung von der beschränkten Sichtweise, der machtlosen Lehren, der ungeschliffenen Theorien, der eitlen Einbildungen, der modernen Vorstellungen dieses vergänglichen und geplagten Zeitalters. Wenn wir wanken oder zögern, wenn unsere Liebe zu Ihm versagen sollte, uns zu führen und uns auf Seinem Pfad zu halten, wenn wir die göttlichen und eindringlichen Prinzipien verlassen, was nährt dann noch unsere Hoffnungen auf die Heilung der Krankheiten und Übel dieser Welt ?
(BA p. 62, unautorisierte Übersetzung)
Die Autorität des Hüters und des Universalen Hauses der Gerechtigkeit ist zurückzuführen auf die Autorität Bahá'u'lláh's selbst. Somit sind hier gleiche Prinzipien anzuwenden. Man sollte ihnen gehorchen, weil man weiß, daß sie göttlich geführt sind. Ich kann mich an mehr als eine Situation erinnern, in der ich mich unfähig erkannte, die Entscheidung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu verstehen oder in der ich nicht übereinstimmte. Sie wissen, das Universale Haus der Gerechtigkeit fällt auch nicht immer einstimmige Entscheidungen. Manchmal fällt es auch Mehrheitsentscheidungen. Solche Situationen sind auf keinen Fall erstaunlich. Das Haus der Gerechtigkeit ist unfehlbar, aber die einzelnen Personen sind es nicht. Somit ist es logisch, daß manchmal einzelne im ersten Moment mit einer gefällten Entscheidung nicht einverstanden sind. In allen Fällen habe ich selbstverständlich die Entscheidungen akzeptiert. Und nach einer gewissen Zeit habe ich immer erkannt, warum das Universale Haus der Gerechtigkeit recht hatte und ich nicht.
Das Interessante an der Sache ist, daß es nicht nur an Dingen lag, die ich nicht gleich erkannte -- "In Ordnung, dies war es, was ich in der Beratung falsch verstand, nun weiß ich, wie es richtig ist -- sondern manchmal auch Informationen, die ich zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht wissen konnte. Die Wege Gottes sind geheimnisvoll, sogar, wenn Sie durch Ihn verordnet wurden. Man kann nicht erwarten, immer alles von Anfang an zu wissen.
Solche Erfahrungen lassen einen geistig wachsen und bereichern das eigene Verständnis bis zu einem einzigartigen Grad. Intelligenter und wachsamer Gehorsam unterstützen somit das Wachstum der Seele.
Einer Entscheidung eines Geistigen Rates zu folgen, von der man meint, daß sie falsch ist, kann viel schwieriger sein. Hier gehorcht man wegen des unumstößlichen Prinzips des Erhaltes der Einheit im Glauben. Außerdem kann man, wenn man den Fall für wichtig genug erachtet, darum bitten, die Entscheidung nochmals zu überdenken. Hierbei sollte man jedoch Weisheit walten lassen. Jeder hat das Recht, gegen die Entscheidung Einspruch zu erheben. Man sollte jedoch nicht nur seine eigenen Interessen in dem Fall vor Augen haben, sondern auch die Interessen des Glaubens. Ist es richtig, die Zeit des Geistigen Rates zu beanspruchen, indem man beharrlich diesen Punkt verfolgt? Insbesondere dann, wenn man sicher ist, daß dessen Entscheidung falsch ist? Oder ist es besser, darüber hinweg zu sehen und dem Geistigen Rat zu erlauben, seiner eigentlichen Aufgabe nachzugehen, die das Lehren der Sache Gottes ist? Manchmal ist es richtig, manchmal ist es falsch. Manchmal sollte man darauf bestehen, manchmal sollte man es laufen lassen. Nochmals, es ist eine Sache der Beurteilung und guter Gründe. Somit gelangt man zu der Bedeutung des Verstandes, wenn es darum geht, die Anordnungen einer autoritären Führung auszuführen.
Es gibt an dieser Stelle zwei Quellen von Autorität, über die wir nachdenken sollten, da sie sich voneinander unterscheiden. Die eine ist der Herausgeber von Befehlen, die andere sind Gesetze und Regeln.
Der Unterschied zwischen beiden ist, daß ein bestimmter Befehl einer Autoritätsquelle häufig sehr klar, ausdrücklich und auf einen bestimmten Fall bezogen ist. Ein Gesetz oder eine Regel ist ein mehr allgemeines Gebot und seine Anwendung auf einen speziellen Fall erfordert die Berücksichtigung weiterer Regeln.
Ein interessantes Beispiel, an dem der Unterschied dieser beiden Varianten deutlich wird, entstand während der 60er Jahre in Amerika. Es war in der Zeit, als große Spannungen zwischen den Rassen herrschten. Die Bahá'í strengten sich sehr an, die Rassenvorurteile zu überwinden und die Einheit so gut wie möglich sowohl innerhalb der Gemeinde als auch außerhalb herzustellen. Die Frage, die auch dem Universalen Haus der Gerechtigkeit vorgelegt wurde, war: Was passiert, wenn man in einem südlichen Staat lebt, wo ein Gesetz eine bestimmte Form des Kontaktes zwischen Menschen verschiedener Hautfarben verbietet? Insbesondere, wenn es dahin gekommen ist, daß Nicht-Bahá'í dieses Gesetz diskutieren? Müssen die Bahá'í diesem Gesetz dann folgen, weil wir das Prinzip haben, der Regierung zu gehorchen, egal um welches Gesetz es sich handelt? Das Haus der Gerechtigkeit sagte: "Nein". Es erklärte, daß die Bahá'í die Gebote des Glaubens so gut es geht befolgen sollten. Wenn aber eine Autoritätsperson ihnen gebieten sollte, es nicht zu tun, dann sollten sie es nicht tun. Mit anderen Worten: Das Gesetz mag den Weißen und Schwarzen den Kontakt miteinander verbieten, wogegen der Glaube sie offensichtlich dazu aufruft. Dann sollten die Bahá'í solange die Freundschaft untereinander pflegen, solange kein Polizist käme und ihnen gebieten würde: "Setzt euch an verschiedene Plätze." Dann sollten sie sich voneinander entfernen. Es gibt demnach einen Unterschied zwischen einem geschriebenen Gesetz und einem Gesetz, das direkt eingefordert wird. Dieser Umstand kommt in vielen Beziehungen zwischen dem Bahá'í-Glauben und den Gesetzen zum Tragen. Dies war in ähnlicher Form während des Nazi-Deutschland der Fall. Mir wurde erzählt, daß die Nazi-Behörden den Bahá'í befahlen, die Treffen zwischen Juden und Nicht-Juden zu trennen. Die Lösung damals war, daß keine Treffen mehr stattfanden. Wir können solche Probleme also auf verschiedene Art und Weise lösen.
Es kann aber auch vorkommen, daß das Befolgen von Gesetzen und Prinzipien des Glauben Schwierigkeiten und Leiden verursachen können. Wie ich bereits gesagt habe, ist es meist der Gehorsam durch Glauben und die Annahme einer unangenehmen Wahl, die uns geistig und moralisch und in unserem Verständnis wachsen lassen. Diese Art von Gehorsam hat auch einen Effekt auf die Gemeinschaft als Ganzes. Dadurch entsteht eine Gesellschaft, die vereint, liebevoll, standhaft, rechtschaffen und beherzt ist. Und sie ist ebenso frei von unwissendem Fanatismus und Blindgläubigkeit. Es ist ein schwierig zu haltendes Gleichgewicht: Standhaft zu sein, Prinzipien zu haben, aber nicht fanatisch und genauso wenig blindgläubig zu sein.
Eine der Wahrheiten, die wir akzeptieren müssen, ist, daß das Leben nicht einfach ist. Es ist nicht dafür da, einfach zu sein. Wenn wir dies erkennen, annehmen und daran arbeiten, wachsen wir und schreiten voran, trotz aller Prüfungen und Widrigkeiten. Dies ist eine sehr tiefgreifende Erkenntnis. Ich glaube, es war Carl Jung, der Menschen in einer besonderen Form als psychologisch krank erachtete, die versuchten, "gesetzmäßige Schmerzen" zu vermeiden. Sie sehen: je des Wachstum im Leben bedingt Schmerzen einer gewissen Stufe. Betrachten Sie das Stadium des Heranwachsens, wenn wir nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen, plötzlich erwachsen zu werden. Oder wenn wir heiraten, und zwei Menschen auf einmal miteinander leben müssen. Auch das ist mit Schmerzen verbunden. Und Jung, denke ich, legte seinen Finger auf einen sehr wichtigen Punkt: Zu versuchen, gesetzmäßige Schmerzen zu vermeiden, erzeugt einen psychologischen Zusammenbruch. Und dies gilt für die gesamte Gesellschaft. Es mag jedoch einem Menschen einen unbarmherzigen Anschein verleihen, wenn er zu bestimmten Zeiten mit Gehorsam und Annahme von Schmerz voranschreitet.
Wahrer Gehorsam darf nicht mit sklavischer Unterwürfigkeit verwechselt werden. Er erfordert Courage und Durchhaltevermögen. Ein wesentliches Element des Gehorsam ist die Ausübung von Gerechtigkeit bei der Ausführung der Anforderungen der Autorität, die man akzeptiert hat.
Es spielt keine Rolle, ob in einem bestimmten Fall eine Anweisung einer Amtsgewalt oder eine gesetzliche Vorgabe die Quelle der Autorität ist. Selten kann sie alle Möglichkeiten und Eventualitäten abdecken.
Ich habe einmal eine Geschichte gelesen, die von einem Mann handelt, der sich nicht von seinem Anzug trennen konnte -- Männer hängen häufig an einem ihrer Anzüge und wollen wollen sich nicht von ihnen trennen -- als er aber allzu abgetragen war, entschied er doch, ihn aufzugeben. Er nahm ihn und ging zu einem Schneider. Diesen beauftragte er, eine exakte Kopie zu erstellen. Der Schneider tat dies ordnungsgemäß. Er entschuldigte sich jedoch, er habe sein Bestes gegeben, eine originalgetreue Kopie zu erstellen. Es sei ihm jedoch nicht gelungen, den Kaffeefleck auf der Jackettvorderseite nachzuempfinden. Dies ist ein Beispiel mit einer Problemstellung, denen das Büro für die Gebäuderestaurierung täglich gegenübersteht. In diesem Fall will man, wenn man eine Heilige Stätte repariert, dies so genau wie möglich tun. Wenn man z. B. zwei nahe beieinander liegende Fenster hat, von denen eines ein wenig kleiner als das andere ist, dann möchte man nicht, daß eine aufmerksame Person vorbei kommt und sagt: "Es wäre schön, wenn beide die gleiche Größe hätten." Man möchte die neuen Fenster verschieden machen, genauso, wie die alten waren. Wenn wir andererseits ein leckendes Abflußrohr ersetzen wollen, dann soll das neue Rohr natürlich nicht wieder ein Leck haben. Hier ist also die Anwendung eines guten Urteilsvermögens angebracht. Und es ist erstaunlich, wie oft im Leben man Leute findet, die dies nicht anwenden und man kann geradezu verrückt werden, wenn man, wie man denkt, eine klare Anweisung gegeben hat und die Person kommt mit etwas völlig Durcheinandergeratenem zurück und sagt: "Aber Sie haben mir doch den Auftrag gegeben!" Und man weiß, daß man die Anweisung erteilt hat. Aber man hat erwartet, daß die Person ihren Verstand anwenden würde und dadurch den Sinn, der hinter den tatsächlich gesprochenen Worten steckte, erfaßt hätte.
Dies sind sehr deutliche Beispiele. Die gleichen Anforderungen werden jedoch auch fortwährend bei der Anwendung der Gesetze des Glaubens gestellt. Wann soll man auf ihrer Einhaltung bestehen, wann großzügig sein, welche Ausnahmen sind zu rechtfertigen, welche nicht? Wie nachsichtig darf man sein, ohne ein Prinzip zu opfern? Wie kann man rechtschaffen sein, ohne fanatisch zu wirken? Generell gesagt: Es ist eine gute Leitlinie, mit sich selbst sehr streng zu sein und mit anderen nachsichtig. Im zweiten Taráz schreibt Bahá'u'lláh:
Dieser Unterdrückte ermahnt die Völker der Welt, Duldsamkeit und Rechtschaffenheit zu üben; dies sind zwei Lichter im Dunkel der Welt, zwei Erzieher für die Bildung der Menschheit. Glücklich sind, die dazu gelangen, und wehe den Achtlosen.
(BA, S. 52)
Die Gleichstellung von Toleranz und Rechtschaffenheit macht diesen Text, wie ich meine, zu einem sehr interessanten Abschnitt.
Hier wird man auch wieder zurückverwiesen auf das Prinzip der abschließenden Verantwortlichkeit jedes Einzelnen. Wir müssen akzeptieren, daß uns Gott den Verstand zu seiner Benutzung gegeben hat. Er hat uns einen freien Willen gegeben und er hat uns ermahnt, Weisheit und gutes Urteilsvermögen anzuwenden.
Ich bezeichne es als einen Schmerz, denn wir müssen vorsichtig sein, diese Freiheit als eine Erlaubnis zu Ungehorsam zu betrachten. In einem der Briefe, die im Auftrag des Hüters geschrieben wurden, hat der Sekretär die nüchterne Warnung ausgesprochen: "Wir sollten auf die Gnade Gottes hoffen, aber wir dürfen nicht auf ihr bestehen."
(LG. #1223, unautorisierte Übersetzung)
Aber es gibt gültige Fälle, in denen weises Urteilsvermögen einem Menschen sagt: "In diesem Fall würde ich sicher freigesprochen, etwas zu tun, was normalerweise nicht angenommen werden könnte." Einige Gläubige, die sich davor fürchten, die Verantwortung hierfür zu übernehmen, bitten des Universale Haus der Gerechtigkeit um eine Ausnahmegenehmigung. Dies kann es häufig nicht gewähren, wie sie sicher verstehen. Denn es hätte meist viel weitreichendere Folgen, die sich nicht nur auf diesen einen Fall beschränkten. Ich erinnere mich an mehr als eine Begebenheit, wo das Haus der Gerechtigkeit solche Fragen beantworten mußte und die Antwort wie folgt lautete: "Es ist schade, daß er nicht selbst gehandelt hat, anstatt zu fragen". Ich erinnere mich an einen ähnlichen Kommentar, der von einem Pilger niedergeschrieben wurde, der dem Hüter eine Frage stellte. Bevor er antwortete, fragte der Hüter ihn: "Sind Sie sicher, daß Sie diese Frage beantwortet haben möchten?"
Es gibt eben Situationen, wo man einfach selbst entscheiden muß. Ich erinnere mich solch einer Situation eines jungen Mannes, der Student der vergleichenden Religionswissenschaften war. Er stellte Untersuchungen für den Abschluß seiner Doktorarbeit an. Und er meinte, daß es wichtig wäre, dazu einige Schriften über die Bündnisbrecher zu lesen. Also schrieb er an das Universale Haus der Gerechtigkeit und bat: "Können Sie mir bitte die Erlaubnis geben, diese Schriften über die Bündnisbrecher zu lesen?" Das Haus der Gerechtigkeit schrieb zurück und sagte: "Es ist Ihnen doch nicht verboten, Schriften über die Bündnisbrecher zu lesen; es wird davor gewarnt, daß es sehr gefährlich ist, aber es ist nicht verboten, also können wir Ihnen die Erlaubnis gar nicht geben." Er schrieb zurück: "Ja, ich weiß dies alles, aber bitte geben Sie mir die Erlaubnis." Also schrieb das Haus der Gerechtigkeit wiederholt, indem es seine frühere Anwort wiederholte. Er wollte nicht hinnehmen, daß die Verantwortung bei ihm selbst lag. Es war eine Gefahr für seine Seele, wie hätte also das Haus der Gerechtigkeit ihm sagen können: "Es ist Ihnen erlaubt, sich der Gefahr auszusetzen"? Es gab kein Verbot, er mußte für sich selbst beurteilen: "Ist es notwendig, dies zu tun, oder ist es das nicht? Kann ich mich in die Gefahr begeben oder kann ich es nicht?" Es gibt viele Bereiche unseres täglichen Lebens, wo wir diese Verantwortungen selbst übernehmen müssen.
Die Übung des eigenen Verstandes und die Anwendung des eigenen Urteilsvermögens beim Befolgen eines Gesetzes und von Anweisungen sind aber auch Wege der Göttlichen Führung. Ich war zutiefst beeindruckt von einer Sache, auf die die Hand der Sache Gottes Paul Haney einmal Bezug nahm. Er sagte, er habe manchmal, wenn das Universale Haus der Gerechtigkeit ihn bat, eine Aufgabe auszuführen, zunächst weder die Weisheit erkannt, die darin lag, noch habe er gewußt, wie er diese Aufgabe bewerkstelligen solle. Trotzdem begann er im Vertrauen auf die Göttliche Führung, die dem Haus der Gerechtigkeit zuteil wird. Und er erkannte, daß sich mit jedem Schritt, den er vorwärtsging, eine Tür öffnete und die weiteren Schritte klarer wurden. Am Ende wußte er, daß er befähigt wurde, das zu erreichen, worum er gebeten worden war. Und er erkannte auch den Grund für diese Aufgabe. Dies ist ein ideales Beispiel für Gehorsam, Glauben, Weisheit und Urteilsvermögen.
Der Prozeß, die Verantwortung für sich anzunehmen, die eigene Unzulänglichkeit zu erkennen, eine Quelle der Autorität zu suchen und anzuerkennen und dabei die Manifestation Gottes zu finden, Seine Lehren zu verstehen und die eigene Intelligenz zu nutzen, diese Lehren anzuwenden, sind wesentlich für die Entwicklung der individuellen Seele und befähigen sie, ihr Ziel zu erreichen, das da lautet, in Harmonie mit der Absicht Gottes zu gelangen und in absolutem Gehorsam gegenüber Seinen Plänen zu leben.
Um einiges wichtiger ist Gehorsam in diesem Zusammenhang für das Wohlergehen und die Entwicklung der gesamten Menschheit. In allen Teilen der Welt flehen die Menschen um Freiheit. Und dieses Streben nach Freiheit und den materiellen Gütern dieser Welt führt zu Konflikten und Kriegen, die die Zerstörer von Freiheit und Wohlergehen sind. Nur die Führung Gottes und Bahá'u'lláh's System des vereinten und willentlichen Gehorsams der einzelnen Seele gegenüber Seiner Führung, führen die Menschen wie eine Brücke über die abgrundtiefe Zersplitterung und das Chaos hinüber zu der Seligkeit des Königreiches Gottes auf Erden. Und dann werden alle Menschen die Wahrheit in den Worten Bahá'u'lláh's erkennen:
Die Freiheit, die euch nützt, ist nirgendwo zu finden außer in vollkommener Dienstbarkeit vor Gott, der Ewigen Wahrheit. Wer ihre Süße kostet, wird es verschmähen, sie gegen alle Herrschaft der Erde und des Himmels zu tauschen.
(I&S, S.43)
Gehorsam 26 Juli 1991
Programm Geistige Bereicherung
Literaturverzeichnis
AB Der Báb, Eine Auswahl aus Seinen Schriften
ÄL Bahá'u'lláh, Ährenlese
BA Bahá'í Administration: selected Messages 1922 - 1932 (Wilmette: Bahá'í Publishing Trust, 1980)
BOT Bahá'u'lláh, Botschaften aus Akka
GL Göttliche Lebenskunst
I&S Inhaltsübersicht und systematische Darstellung der Gesetze und Gebote es Kitáb-i-Aqdas, Haifa, Job Das Buch Hiob,
LG Hornby, Helen, comp. Lights of Guiance: A Bahá'í Reference File, rev. ed. (New Dehli: Bahá'í Publishing Trust, 1988)
VW Verborgene Worte (Arabisch)
Vertiefung: Ansprache von Ian Samle über Gehorsam im Weltzentrum am 26. Juli 1991
Es gibt Bahá‘í, die freuen sich, wenn sie an ihren Geistigen Rat denken. Sie freuen sich auf ihre gemeinsamen Sitzungen, weil sie etwas Spezielles miteinander gefunden haben. Sie fühlen sich eingeladen, miteinander zu denken und Lösungen von Problemen gemeinsam zu entwickeln. Jeder und jede fühlt sich angeregt, mitzudenken und eigene Ideen, Anregungen, Vorbehalte und Kritik einzubringen.
Im Rat denkt und suchen die Bahá‘í miteinander und erkunden gemeinsam neue Lösungsansätze, neue Wege für die Herausforderungen und Probleme, die sie in ihrer anspruchsvollen Aufgabe antreffen. Wenn sie dann alle wieder in ihren individuellen Lebensbereichen stehen, fühlen sie sich verbunden mit den anderen und getragen im Team, was eine tolle Erfahrung ist, überhaupt nicht selbstverständlich.
Nun, ich höre auch immer wieder von anderen GR-Teams: man diskutiert und streitet gegeneinander, ohne Lösungen zu finden, redet aneinander vorbei, hört sich nicht zu, und das Gefühl in der Beratung ist alles andere als angenehm.
Überall, wo Menschen zusammenarbeiten, entstehen Probleme. Das ist nichts Neues und auch nichts Besonderes. Wenn die Probleme auf der Sachebene liegen, lassen sie sich in der Regel leicht lösen.
Häufig liegen die Probleme aber auf einer anderen Ebene. Dann sind die Menschen auf einer anderen Ebene gefordert. Dann braucht es andere Vorgehensweisen, andere Fragen und andere Antworten.
Dann müssen alle Beteiligten lernen.
Folgende Elemente sind Bedingungen, damit sich eine Lernende Organisation entwickeln kann:
Systemdenken
Wenn Probleme auftauchen, nehmen Entscheidungsträger den Geistigen Rat oft als Insel wahr, der für sich alleine lebt und funktioniert. Dabei ist er eingebunden in ein großes System von Zusammenhängen. Die gewählten Mitglieder mit ihren individuellen Voraussetzungen und Bedingungen gehören dazu, mit ihrem familiären Hintergrund, mit ihren eigenen Berufserfahrungen, mit ihren Erlebnissen untereinander.
Es kommt immer wieder vor, dass jemand in die Position des Schuldigen kommt, und dass Probleme im Team bei dieser Person identifiziert werden. Polarisierungen passieren, und oft verlässt dann diese Person den Rat, ohne dass die Hintergründe der Probleme gelöst sind.
Systemische Lösungsansätze verzichten auf die Konstruktion einfacher, linearer Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Sie verzichten darauf, Probleme bei einzelnen Akteuren im ganzen System zu identifizieren und dort zu 'lösen'.
Es ist hilfreich, wenn der Rat als System verstanden wird, das eingebunden ist in größere Zusammenhänge, und wenn der Rahmen für Lösungen weit genug gesteckt wird.
Die Gemeinsame Vision
Wagen die Bahá‘í, heute noch, eine Vision von der Beratung im Geistigen Rat zu haben? Von besseren Beratungen zu träumen? Oder breitet sich Ernüchterung, Müdigkeit und Resignation aus?
Eine gemeinsame Vision steht am Anfang eines speziellen Engagements für die Beratung.
Als Sie sich als Bahá’í erklärten: was waren Ihre Ideale? Wie soll die Beratung aussehen, welche Atmosphäre wollen Sie in Ihrer Gemeinde? Glauben Sie noch an Ihre Ideale von damals? Gibt es eine reelle Chance zur Verwirklichung?
Eine gemeinsame Vision kann nicht von der Administration verordnet werden. Die Ideen, Vorstellungen und Hoffnungen aller Beteiligten müssen zusammenfließen, damit die Herzen berührt werden. Dann kann der Funken der Begeisterung springen, und es hat eine Bedeutung, was die Bahá’í-Freunde tun. Sie können teilhaben an einer speziellen Energie, die sich im Geistigen Rat entwickelt. Und sie spüren sich selber in einer anderen Qualität, wenn sie als Rat zusammen treten.
Mentale Modelle
Mentale Modelle sind unsere Entwürfe über die Realität. Diese Entwürfe, Ideen und Konstrukte sind häufig implizit, uns nicht bewusst, weil wir nicht darüber nachdenken können.
Aber sie haben Wirkung, weil wir aus diesen Modellen heraus denken, Dinge überlegen, Geschehenes interpretieren und Probleme verstehen. Es gibt keine 'objektive' Wahrnehmung der Realität. Wir schauen die Welt da draußen an, und wir verstehen und interpretieren das, was wir da sehen, in unserer ganz und gar persönlichen Art und Weise. Und formen so ein individuelles Bild der Welt, des Lebens, der Bahá’í-Gemeinde, der Geistigen Räte und der Beratung.
Die Freunde haben alle ihre eigenen Entwürfe und Konstrukte über das Bahá’í-Sein und über die Hintergründe von Problemen. Solange sie nicht die Möglichkeit haben, ihre mentalen Modelle miteinander zu erkunden und miteinander auszutauschen, haben sie kaum eine Chance, eine gemeinsame Vision zu entwickeln und flexibel auf sich verändernde Umstände zu reagieren. In Phasen von neuen Entwicklungen ist es für die Beteiligten ein Muss, ihre mentalen Modelle anzuschauen.
Welche Ideen und Entwürfe benutzen die Freunde, wenn sie versuchen, die Probleme in der Gemeinde und im Rat zu verstehen? Und welche Konstrukte sind aktiv, wenn sie darüber nachdenken, warum sich manche Probleme wiederholen?
Wenn die Freunde versuchen, gemeinsam ihren mentalen Modellen auf die Spur zu kommen, gibt es plötzlich eine Ausweitung des Verständnisses, neue Ideen tauchen auf, neue Modelle, vielleicht geeignetere, breiter abgestützte. Das Denken wird fruchtbarer.
Die Persönliche Entwicklung
In der Bahá’í-Gemeinde ist es offensichtlicher als anderswo: die Qualität der Beratung steht und fällt mit der Persönlichkeit der Bahá’í. Die Freunde sind gefordert als ganze Personen, sie können nicht Teile ihres Wesens außerhalb der Beratung lassen. Deshalb brauchen wir in unserem Rat eine Kultur, die das anerkennt. Wir brauchen Bedingungen, die es den Freunden ermöglichen, in einem guten Bezug zu sich selber zu stehen und sich selber als Person im Blick zu haben.
Gerade das ist für Mitglieder von Geistigen Räten nicht einfach, stehen sie doch in einer langen Tradition von Autoritätspersonen, die alles wissen und alles im Griff haben müssen, und die Vorbild für die ganze Gemeinde sein mussten. Viele haben diese Erwartungen verinnerlicht, und so ist es heute manchmal schwierig, mit Bahá’í über Dinge zu reden, die sie nicht so gut können, über Schwächen und Misserfolge in der Beratung. Sie sind oft Einzelkämpfer geblieben, die sich nicht gerne in Frage stellen lassen.
Gemeinsames Lernen
Lernende Teams lernen, gemeinsam zu erkunden, gemeinsam zu erforschen, gemeinsam zu denken. Sie lernen, gemeinsam zu lernen. Und der Lern-Ort ist die Beratung, sie lernen an den realen Situationen und Problemen, die sie antreffen.
Kennen sie diese Erfahrung: eine Beratung vergeht wie im Flug, die Beteiligten erinnern sich nicht mehr genau, wer was gesagt hat, aber irgendwann sind sie zu einer gemein-samen Erkenntnis gelangt, alle wussten, was zu tun war, ohne dass sie abgestimmt hätten.
Und alle fühlten sich nach der Besprechung angeregt und erfrischt?
Es hat etwas Magisches, wenn sich dieser Raum öffnet, es zieht die Menschen in Bann, es begeistert sie, und sie lieben es. Es hat eine ganz andere Qualität, mit den Bahá’í-Freunden gemeinsam nach Lösungen zu suchen, statt gegeneinander zu diskutieren und immer schon zu wissen, was Sache ist.
Eigentlich ist es ja klar, dass viele Köpfe mehr wissen als einer. Und dass die Intelligenz eines Teams viel größer ist als die Summe der Einzelteile, wenn die Beteiligten Zugang zu dieser größeren Intelligenz herstellen können.
Im Dialog lernen wir, frei und kreativ komplexe Fragen zu erforschen, einander intensiv zuzuhören und nicht schon von vornherein die eigenen Ideen und Ansichten durchzusetzen.
Dann wird das Denken zu einem kollektiven Phänomen. Und wir machen die Erfahrung, dass wir miteinander besser denken können als alleine.
Der Dialog nach David Bohm steht im Zentrum all dieser Elemente. Er ist die Methode, die es den Bahá’í-Freunden ermöglicht, die Voraussetzungen und persönlichen Bedingungen zu erwerben, um ihren Geistigen Rat zu einer Lernenden Organisation zu entwickeln.
Kann der Geistige Rat als Ort der Beratung selber zu einer Lernenden Organisationen werden?
Ich habe eine Vision: in einem Geistigen Rat üben die Bahá’í-Freunde miteinander den Dialog nach David Bohm. Dabei lernen sie die spezifischen Fähigkeiten des Zuhörens, Erkundens, Artikulierens, Partizipierens, Suspendierens.
Wenn sie Erfahrungen haben mit dem Dialog, werden die Mitglieder des Geistigen Rates den Dialog in die Gemeinde tragen und z.B. pro Monat eine Dialog-Runde à 1,5 Stunden machen. In diesen Dialog-Runden werden die Bahá’í-Freunde ihre Probleme erkunden, die sie als Gemeinde haben und gemeinsam nach Lösungen für ihre Probleme suchen.
Möchten sie in dieser Gemeinde leben? Dann setzen sie sich dafür ein!
Jürgen Knier: Übertragung aus einer Abhandlung aus dem Bereich Schule
in www.lernende-organisationen.ch/schule.html
2014-02-14
Bahai – Religion, Politik und Gesellschaft im interreligiösen Kontex
Herausgeber: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)
Kürzlich ist das Heft Nummer 233 der EZW über den Bahai-Glauben, dessen Titelblatt hier beigefügt ist, erschienen. Es enthält mehrere Artikel, die im Jahr 2013 auf einer von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen organisierten Veranstaltung in Hannover als Vorträge gehalten wurden. Neben Vorträgen von Professor Manfred Hutter und den evangelischen Theologen Friedmann Eißler und Jürgen Schnare enthält das Heft auch 2 umfangreiche Artikel von Armin Eschraghi ("Aspekte der Bahai-Theologie vor dem Hintergrund islamischer Glaubensvorstellungen") und Ulrich Gollmer ("das Bahai tun im Verhältnis zu anderen Religionen, zu Politik und Gesellschaft").
Die Herausgabe dieses Hefts stellt einen Meilenstein in der Verbreitung von Information über unseren Glauben und seiner Anerkennung und Wertschätzung dar. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, die uns über viele Jahre hinweg feindlich gesinnt war und seinerzeit das Werk Francesco Ficicchias publizierte, hat in den letzten Jahren eine völlige Kehrtwendung vollzogen, sich von Ficicchia distanziert und ihre Stellung zu den Bahai revidiert. Das Verhältnis der EZW zu den Bahai ist heute gekennzeichnet durch ernsthafte Auseinandersetzung mit unseren Lehren, Anerkennung und Respekt.
Die Veranstaltung der EZW über Bahai ist jedoch nicht nur das Verdienst der EZW, sondern auch Ergebnis dessen, dass einige Bahai über Jahre hinweg Kontakte zur EZW pflegten und sich im interreligiösen Dialog als zuverlässige, konstruktive Partner erwiesen haben. Die Früchte solcher Bemühungen stellen sich eben oft erst nach Jahren ein, dafür aber umso nachhaltiger. Die Schriftenreihe EZW-Texte ist weit verbreitet; sie hat mehrere tausend Abonnenten und wird auch sonst vielfach nachgefragt. Wie man gehört hat, soll das Bahai-Heft sich über den Abonnentenkreis hinaus großer Nachfrage erfreuen.
Es kann unter folgender Adresse für 6 € bestellt werden:
DAS UNIVERSALE HAUS DER GERECHTIGKEIT
18. Januar 2019
An die Bahá’í der Welt
Innig geliebte Freunde,
ein halbes Jahrhundert, nachdem Bahá’u’lláh die Könige und Machthaber aufgerufen hatte, sich miteinander zu versöhnen und ihnen die Errichtung des Friedens auf Erden auferlegt hatte, wurden die Großmächte jener Epoche in einen Krieg gestürzt. Es war der erste Konflikt, der als „Weltkrieg“ betrachtet wurde, und er ist als eine Feuersbrunst von entsetzlicher Heftigkeit in Erinnerung geblieben; das beispiellose Ausmaß und die außerordentliche Grausamkeit des Blutvergießens hat sich dem Bewusstsein jeder nachfolgenden Generation eingebrannt. Und dennoch sind aus den Trümmern und dem Leid Möglichkeiten für eine neue Ordnung erblüht, die der Welt Stabilität verleihen sollte – insbesondere bei der Pariser Friedenskonferenz, die heute vor hundert Jahren eröffnet wurde. In den darauffolgenden Jahren konnte Shoghi Effendi, trotz der wiederholten Krisen, in die die internationalen Angelegenheiten gerieten, „den – wenn auch unausgewogenen – Fortschritt jener Kräfte, die im Einklang mit dem Zeitgeist arbeiten“, erkennen. Diese Kräfte haben die Menschheit immer weiter auf ein Zeitalter des Friedens hin bewegt – nicht nur eines Friedens, der bewaffnete Konflikte ausschließt, sondern eines kollektiven Seinszustands, der Einheit manifestiert. Gleichwohl bleibt es noch ein langer Weg und die Entwicklung kommt nur schubweise voran. Wir halten diesen Moment für geeignet darüber nachzudenken, welche Fortschritte auf dieser Reise gemacht wurden, welches die gegenwärtigen Herausforderungen für den Frieden sind und welchen Beitrag die Bahá’í aufgerufen sind zu seiner Erreichung zu leisten.
In den letzten einhundert Jahren gab es mindestens drei historische Momente, in denen es schien, als sei die Menschheit dabei, nach wirklichem, dauerhaftem Frieden zu greifen; jedoch scheiterte sie immer wieder aufgrund von Schwächen, die sie nicht überwinden konnte. Der erste Moment war – als ein Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz – die Gründung des Völkerbundes, einer Organisation, die von ihren Gründern vorgesehen wurde, um den Frieden auf internationaler Ebene zu sichern. Er war das Mittel, mit dem zum ersten Mal in der Geschichte das System der kollektiven Sicherheit, das Bahá’u’lláh den Regierenden der Welt auferlegt hatte, „ernsthaft geplant, diskutiert und erprobt“ wurde. Letztendlich jedoch war das Friedensabkommen, das den Krieg beendet hatte, auf verhängnisvolle Weise mangelhaft und der Völkerbund konnte den zweiten Weltkrieg nicht verhindern, der nach dem Urteil von Historikern der tödlichste Konflikt der Menschheitsgeschichte war. So wie der erste bedeutende Schritt hin zum Weltfrieden auf eine Zeit entsetzlicher Kämpfe folgte, verhielt es sich auch beim zweiten, als nicht nur die Organisation der Vereinten Nationen aus der Asche des Völkerbundes gebildet wurde, sondern ein System internationaler wirtschaftlicher Institutionen entstand und historisch bedeutsame Fortschritte auf dem Gebiet der Menschenrechte und des Völkerrechts erzielt wurden. In rascher Folge wurden viele Gebiete, die unter Kolonialherrschaft gestanden hatten, zu unabhängigen Nationen, und Vereinbarungen zu regionaler Zusammenarbeit nahmen an Tiefe und Reichweite deutlich zu. Die Jahrzehnte nach dem Krieg waren jedoch auch geprägt von einer Atmosphäre schwelender und häufig offener Feindseligkeit zwischen den beiden großen Machtblöcken der Welt. Gemeinhin bekannt als Kalter Krieg verschärfte sie sich in mehreren Regionen der Welt zu tatsächlichen Kriegen und brachte die Menschheit einem mit Atomwaffen ausgetragenen militärischen Konflikt gefährlich nahe. Sein friedliches Ende zum Ausgang des 20. Jahrhunderts war ein Anlass zum Aufatmen und führte zu ausdrücklichen Forderungen nach der Schaffung einer neuen globalen Ordnung. Dies war der dritte Moment, in dem der Weltfrieden in greifbare Nähe gerückt schien. Bemühungen, neue Systeme für die internationale Zusammenarbeit zu errichten und bestehende zu stärken, erhielten einen starken Impuls, als von den Vereinten Nationen eine Reihe von Weltkonferenzen zu Themen einberufen wurde, die für die Zukunft der Menschheit von Bedeutung sind. Es ergaben sich neue Möglichkeiten zum Konsens, und der Geist der Zusammenarbeit, der den Fortschritt vorantrieb, drückte sich auch in den Mandaten aus, die bestimmten, mit der Rechtsprechung betrauten internationalen Institutionen übertragen wurden. Dieser zielgerichtete Beratungsprozess fand um die Jahrhundertwende seinen Höhepunkt im Millennium-Forum, einer Konferenz von Vertretern von über tausend Organisationen der Zivilgesellschaft aus mehr als hundert Ländern. Ihm folgte der Millenniumsgipfel, eine beispiellose Zusammenkunft politischer Führer der Welt, die zur Einigung über eine Reihe von Zielen führte, die ein gemeinsames Anliegen der Menschheit darstellen. Unter dem Begriff Millenniums-Entwicklungsziele wurden sie in den folgenden Jahren zu gemeinsamen Ausgangspunkten für kollektives Handeln. Diese verschiedenen Fortschritte sind – ungeachtet ihrer vielen Begrenzungen und Unvollkommenheiten und der schrecklichen Konflikte, die sich in dieser Zeit weiterhin ereigneten – dennoch Zeichen für ein weit verbreitetes, allmähliches, aber unaufhaltsames Heranwachsen eines globalen Bewusstseins der Völker der Erde und für ihr Hingezogensein zu universeller Gerechtigkeit, zu Solidarität, zu Zusammenarbeit, zu Mitgefühl und zu Gleichberechtigung.
Mit dem Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts zeichneten sich neue drohende Herausforderungen ab. Mit der Zeit verstärkten sich diese und führten zu einem Rückzug von den vielversprechenden Vorwärtsschritten, mit denen das vorige Jahrhundert geendet hatte. Heutzutage treiben viele, überall in den Gesellschaften vorherrschende Strömungen die Menschen auseinander, anstatt sie zusammenzuführen. Auch wenn die weltweite Armut in ihrer extremsten Form zurückgegangen ist, haben politische und wirtschaftliche Systeme die Anhäufung maßlosen, exorbitanten Reichtums seitens kleiner Seilschaften ermöglicht – eine Situation, die die fundamentale Instabilität im Weltgeschehen noch verschärft. Die Interaktionen zwischen dem einzelnen Bürger, den Regierungsinstitutionen und der Gesellschaft insgesamt sind oft angespannt, da diejenigen, die für den Vorrang des einen oder des anderen plädieren, immer mehr Unnachgiebigkeit in ihrem Denken zeigen. Religiöser Fundamentalismus verzerrt den Charakter von Gemeinschaften, ja sogar ganzer Nationen.
Die Defizite so vieler Organisationen und Institutionen der Gesellschaft haben verständlicherweise zu einem Rückgang des öffentlichen Vertrauens geführt; dies wiederum ist systematisch von Interessengruppen ausgenutzt worden, die versuchen, die Glaubwürdigkeit aller Wissensquellen zu untergraben. Bestimmte gemeinsame ethische Prinzipien, die zu Beginn dieses Jahrhunderts auf dem Vormarsch zu sein schienen, werden ausgehöhlt und bedrohen den vorherrschenden Konsens über Recht und Unrecht, durch den es in verschiedenen Bereichen gelungen war, die niedersten Triebe des Menschen in Schach zu halten. Und der Wille, sich aktiv an internationalem kollektiven Handeln zu beteiligen – vor zwanzig Jahren eine mächtige Denkströmung unter führenden Politikern der Welt – wird durch den Angriff wiederauflebender Kräfte des Rassismus, des Nationalismus und der Fraktionsbildung stark geschwächt.
So sammeln sich die Kräfte der Desintegration neu und gewinnen an Boden. Wie dem auch sei, die Vereinigung der Menschheit ist durch keine menschliche Kraft aufzuhalten; die Verheißungen der früheren Propheten und des Urhebers der Sache Gottes Selbst bezeugen diese Wahrheit. Doch der Weg, den die Menschheit einschlägt, um ihre Bestimmung zu erreichen, kann sehr wohl verschlungen sein. Der von den streitenden Völkern der Erde erregte Tumult droht die Stimmen jener edelgesinnten Seelen in jeder Gesellschaft zu übertönen, die zu einem Ende von Konflikt und Kampf aufrufen. Solange dieser Aufruf unbeachtet bleibt, besteht kein Grund zu bezweifeln, dass sich der gegenwärtige Zustand der Unordnung und Verwirrung der Welt verschlimmern wird – möglicherweise mit katastrophalen Konsequenzen – bis eine geläuterte Menschheit die Notwendigkeit erkennt, einen weiteren bedeutsamen, vielleicht dieses Mal entscheidenden Schritt in Richtung eines dauerhaften Friedens zu tun.
Universeller Friede ist die Bestimmung, auf die sich die Menschheit über Jahrhunderte hinweg zubewegt – unter dem Einfluss des Wortes Gottes, das der Schöpfer Seinen Geschöpfen nach und nach übermittelt. Shoghi Effendi beschrieb das Voranschreiten der Menschheit auf dem Weg zu einer neuen, globalen Stufe in ihrem kollektiven Leben als eine gesellschaftliche Entwicklung, „eine Entwicklung, die ihren Uranfang in der Geburt des Familienlebens hat, deren weitere Entfaltung zur Stammeseinheit und zur Bildung des Stadtstaates führte, und die sich später zur Bildung unabhängiger, souveräner Nationen erweiterte“.
Nun, mit dem Kommen Bahá’u’lláhs, steht die Menschheit an der Schwelle zu ihrer Reife. Die Einheit der Welt ist endlich möglich. Eine mit der Zustimmung der Menschheit die Nationen vereinende globale Ordnung ist die einzige angemessene Antwort auf die destabilisierenden Kräfte, die die Welt bedrohen.
Obgleich jedoch die Einheit der Welt möglich, ja unausweichlich ist, kann sie letztlich nicht erreicht werden ohne die vorbehaltlose Annahme der Einheit der Menschheit, die vom Hüter als „der Angelpunkt, um den alle Lehren Bahá’u’lláhs kreisen“, beschrieben wird. Mit welcher Einsicht und Eloquenz hat er die weitreichenden Implikationen dieses Kardinalprinzips beschrieben! Inmitten der Turbulenzen des Weltgeschehens sah er deutlich, wie die Tatsache, dass die Menschheit ein Volk ist, der Ausgangspunkt für eine neue Ordnung sein muss. Die umfangreichen und vielfältigen Beziehungen zwischen den Nationen und innerhalb derselben müssen alle in diesem Licht neu konzipiert werden.
Die Verwirklichung einer solchen Vision wird früher oder später von den Führern der Welt einen historischen Kraftakt der Staatskunst erfordern. Leider jedoch mangelt es immer noch an dem Willen, diesen Kraftakt in Angriff zu nehmen. Die Menschheit ist von einer Identitätskrise erfasst, nun, da verschiedene Völker und Gruppen darum ringen, sich selbst, ihren Platz in der Welt und wie sie handeln sollen zu definieren. Ohne die Vision einer gemeinsamen Identität und eines gemeinsamen Ziels verfangen sie sich in konkurrierende Ideologien und Machtkämpfe. Scheinbar unzählige Varianten von „wir“ und „ihr“ definieren Gruppenidentitäten immer enger und im Gegensatz zueinander. Im Laufe der Zeit hat diese Aufspaltung in auseinanderstrebende Interessengruppen den Zusammenhalt der Gesellschaft an sich geschwächt. Rivalisierende Vorstellungen von der Vorrangstellung eines bestimmten Volkes werden feilgeboten, wobei die Wahrheit ausgeklammert wird, dass sich die Menschheit auf einer gemeinsamen Reise befindet, auf der alle Akteure sind. Bedenken Sie, wie radikal sich solch eine fragmentierte Vorstellung von menschlicher Identität von derjenigen unterscheidet, die sich aus der Anerkennung der Einheit der Menschheit ergibt. Aus dieser Perspektive ist die Vielfalt, die die menschliche Familie kennzeichnet, ihr Reichtum, weit davon entfernt, ihrer Einheit zu widersprechen. Einheit im Bahá’í-Sinne schließt das grundlegende Konzept von Vielfalt ein und unterscheidet sich dadurch von Uniformität. Durch die Liebe zu allen Menschen und durch die Unterordnung nachrangiger Loyalitäten unter das Wohl der Menschheit kann die Einheit der Welt verwirklicht werden und die unendlichen Ausdrucksformen menschlicher Vielfalt finden ihre höchste Erfüllung.
Die Einheit zu fördern, indem unterschiedliche Elemente in Einklang gebracht werden und in jedem Herzen eine selbstlose Liebe für die Menschheit genährt wird, ist Aufgabe von Religion. Viele Möglichkeiten, Gemeinsinn und Eintracht zu kultivieren, stehen religiösen Führern offen. Aber dieselben Führer können auch zu Gewalt anstiften, indem sie ihren Einfluss nutzen, um das Feuer des Fanatismus und der Vorurteile zu schüren. Bahá’u’lláhs Worte über Religion sind hier sehr nachdrücklich: „... macht sie nicht“, so warnt Er, „zur Ursache von Zwietracht und Streit“. „Der Frieden aller Erdenbewohner ... [gehört] zu den Grundsätzen und Geboten Gottes.“
Es wird ein Herz, das die Liebe zur ganzen Menschheit in sich aufgenommen hat, sicherlich schmerzen, wenn es mit dem Leiden konfrontiert wird, das so viele aufgrund von Uneinigkeit erdulden müssen. Aber die Freunde Gottes können sich nicht von den zunehmenden Unruhen der sie umgebenden Gesellschaft abschotten; sie müssen sich zudem davor hüten, in deren Konflikte verwickelt zu werden oder in deren auf Gegnerschaft beruhenden Methoden hineingezogen zu werden. Ganz gleich, wie düster die Bedingungen zu einem bestimmten Zeitpunkt erscheinen mögen und wie trostlos die unmittelbaren Aussichten für die Verwirklichung der Einheit sind, gibt es dennoch keinen Grund zur Verzweiflung.
Der besorgniserregende Zustand der Welt kann uns nur dazu anspornen, unser Engagement für konstruktives Handeln zu verdoppeln. „Dies sind keine Tage des Wohlergehens und des Triumphes“, mahnt Bahá’u’lláh. „Die ganze Menschheit ist von mannigfachen Krankheiten befallen. Bemüht euch darum, ihr durch die heilende Arznei, bereitet von der allmächtigen Hand des nie irrenden Arztes, das Leben zu retten.“
Die Errichtung des Friedens ist eine Pflicht, zu der die gesamte Menschheit aufgerufen ist. Die Verantwortung, die die Bahá’í tragen, diesen Prozess zu unterstützen, wird sich im Laufe der Zeit erweitern; aber sie waren niemals nur Zuschauer – sie tragen ihren Teil dazu bei, das Wirken der Kräfte zu unterstützen, die die Menschheit zur Einheit führen. Sie sind aufgerufen, wie Sauerteig für die Welt zu sein.
Denken Sie über Bahá’u’lláhs Worte nach:
Fördert Wohlfahrt und Ruhe unter den Menschenkindern und richtet all euer Sinnen und Trachten auf die Erziehung der Völker auf Erden, damit die Zwietracht, die diese Erde spaltet, durch die Macht des Größten Namens von ihrem Angesicht getilgt und alle Menschen zu Verfechtern einer Ordnung und zu Bewohnern einer Stadt werden.
‘Abdu’l-Bahá betonte ebenfalls die Wichtigkeit des Beitrags, den die Bahá’í zur Errichtung des Weltfriedens leisten müssen:
Der Friede muss zuerst unter den einzelnen Menschen gestiftet werden, bis er schließlich zum Frieden unter den Nationen führt. O ihr Bahá’í! Strebt deshalb mit ganzer Kraft danach, durch die Macht des Gotteswortes echte Liebe, geistige Gemeinschaft und dauerhafte Bande zwischen den Menschen zu schaffen. Das ist eure Aufgabe.
„Die Verheißung des Weltfriedens“, die Botschaft, die wir 1985 an die Völker der Welt richteten, beschrieb die Bahá’í-Perspektive zum Zustand der Welt und den Voraussetzungen für einen universellen Frieden. Auch bot sie die weltweite Bahá’í-Gemeinde als Studienmodell an, das die Hoffnung auf die Möglichkeit der Vereinigung der Menschheit bestärken könne. Jahr für Jahr verfeinern seither die Anhänger Bahá’u’lláhs dieses Modell geduldig und arbeiten mit anderen in ihrem Umfeld daran, ein auf Seinen Lehren basierendes System gesellschaftlicher Organisation aufzubauen und zu erweitern. Sie lernen, wie man Gemeinschaften fördert, die jene 1985 von uns beschriebenen Voraussetzungen für Frieden verkörpern. Sie kultivieren überall ein Umfeld, in dem Kinder frei von jeglicher Form von ethnischen, nationalen oder religiösen Vorurteilen aufwachsen können. Sie setzen sich für die volle Gleichstellung von Frauen und Männern in den Gemeindeangelegenheiten ein. Ihre Erziehungs- und Bildungsprogramme, die Wandel bewirken und sowohl die materiellen als auch die geistigen Aspekte des Lebens umfassen, heißen jeden willkommen, der zum Wohlergehen der Gemeinschaft beitragen möchte. In den ersten Regungen sozialen Handelns zeigt sich ihr Wunsch, die zahlreichen Leiden, von denen die Menschheit befallen ist, zu heilen und jeden Einzelnen zu befähigen, ein Protagonist beim Aufbau einer neuen Welt zu werden. Inspiriert vom Konzept des Mashriqu’l-Adhkár laden sie Anhänger aller Glaubensrichtungen und auch Menschen ohne religiöse Bindung zu ihren Andachtsversammlungen ein. Jugendliche, die sich durch ihr Engagement für eine auf Frieden und Gerechtigkeit gegründete Gesellschaft auszeichnen, laden gleichgesinnte Altersgenossen ein, am Aufbau von Gemeinden auf dieser Grundlage mitzuarbeiten. In der Institution des örtlichen Geistigen Rates finden sich die geistige Autorität und die administrative Fähigkeit, im Geiste des Dienens zu führen, Konflikte zu lösen und Einheit zu schaffen; der Wahlprozess, durch den die Geistigen Räte gebildet werden, ist in sich selbst Ausdruck des Friedens – im Gegensatz zu der die Wahlen in der vorherrschenden Gesellschaft oft begleitenden ätzenden Boshaftigkeit und sogar Gewalt. Mit inbegriffen in all diese Dimensionen einer offenen, expandierenden Gemeinschaft ist die grundlegende Erkenntnis, dass alle Menschen die Kinder eines Schöpfers sind.
Die Freunde entwickeln auch ihre Fähigkeit, mit Menschen um sie herum – unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Kultur, ihrer sozialen Schicht oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit – darüber ins Gespräch zu kommen, wie durch die systematische Anwendung der göttlichen Lehren geistiges und materielles Wohlergehen herbeigeführt werden kann. Ein erfreuliches Ergebnis dieser wachsenden Fähigkeit ist die Tatsache, dass die Gemeinde jetzt besser in der Lage ist, bedeutsame Beiträge zu verschiedenen wichtigen, derzeit in der Gesellschaft vorherrschenden Diskursen zu leisten; in einigen Ländern zeigen Führungspersönlichkeiten und Denker, die sich den Herausforderungen ihrer Gesellschaft stellen wollen, zunehmend Wertschätzung für die von den Bahá’í eingebrachten Sichtweisen. Diese Beiträge bringen Erkenntnisse aus Bahá’u’lláhs Offenbarung zum Ausdruck, greifen zurück auf die von den Gläubigen auf der ganzen Welt gewonnenen Erfahrungen und zielen darauf ab, die Diskussion über die Schärfe und Streitereien hinauszuheben, die so oft verhindern, dass gesellschaftliche Diskurse vorankommen. Darüber hinaus gewinnen die von den Bahá’í vorgebrachten Ideen und Gedankengänge durch die von ihnen praktizierte Beratung an Stärke. Sensibilisiert für die Bedeutung von Harmonie und die Fruchtlosigkeit von Konflikten, bemühen sich die Anhänger Bahá’u’lláhs darum, die Bedingungen zu schaffen, die jeweils dem Entstehen von Einheit am ehesten förderlich sind. Wir sind hocherfreut zu sehen, wie die Gläubigen ihre Bemühungen zur Teilnahme an den Diskursen der Gesellschaft erweitern – insbesondere diejenigen Freunde, die in ihrer beruflichen Funktion zu Diskursen beitragen können, die in direktem Zusammenhang zum Frieden stehen.
Für die Bahá’í ist das Erreichen des Friedens nicht einfach ein Ziel, mit dem sie sympathisieren oder das ihre anderen Bestrebungen ergänzt – es ist und war ihnen immer ein zentrales Anliegen. In einem zweiten Brief, den ‘Abdu’l-Bahá an die Zentralorganisation für einen dauerhaften Frieden in Den Haag richtete, erklärte Er, dass sich „unser Wunsch nach Frieden nicht nur vom Intellekt herleitet: Er ist eine religiöse Glaubensfrage und eine der ewigen Grundlagen des Glaubens Gottes.“ Weiterhin stellte Er fest, dass es für die Verwirklichung des Friedens in der Welt nicht ausreiche, die Menschen über die Schrecken des Krieges zu informieren:
Heute werden die Wohltaten universellen Friedens von den Menschen anerkannt, und ebenso sind die schädlichen Auswirkungen des Krieges für alle klar und offenkundig. Aber hier reicht Wissen allein nicht aus: Es bedarf der Kraft zur Umsetzung, um ihn auf der ganzen Welt zu errichten.
„Wir sind fest davon überzeugt“, fuhr Er fort, „dass die Kraft zur Umsetzung in diesem großen Unterfangen der durchdringende Einfluss des Wortes Gottes ist sowie die Bestätigungen des Heiligen Geistes.“
Gewiss kann also niemand, der sich des Zustands der Welt bewusst ist, umhin, das Beste für dieses Unterfangen zu geben und nach diesen Bestätigungen zu suchen – Bestätigungen, die auch wir in Ihrem Namen an der Heiligen Schwelle ernstlich erflehen. Geliebte Freunde: Die hingebungsvollen Bemühungen, die Sie und Ihre gleichgesinnten Mitgestalter unternehmen, um auf geistige Prinzipien gegründete Gemeinden aufzubauen, um diese Prinzipien zur Besserung Ihrer jeweiligen Gesellschaft anzuwenden und um die daraus resultierenden Erkenntnisse anzubieten, sind der sicherste Weg, mittels dessen Sie die Erfüllung der Verheißung des Weltfriedens beschleunigen können.
[gez. Das Universale Haus der Gerechtigkeit]
Compilations : 1987 Jan, Vertrauenswürdigkeit
Zusammengestellt von der Forschungsabteilung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit
Vertrauenswürdigkeit - eine Kardinaltugend der Bahá’í
Gliederung
A. Die Absicht Gottes - Vertrauenswürdigkeit - der edelste Schmuck für das Volk Bahá's
1, 2, 3, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 20, 21, 30, 41, 46, 47, 64, 65, 66.
B. Segen dessen, der sich mit dem Mantel der Vertrauenswürdigkeit kleidet
12, 15, 17, 18, 24, 26, 42.
C. Ratschläge und Ermahnungen - Pflichten der Bahá'í
4, 13, 16, 19, 22, 23, 25, 27, 28, 32, 33, 37, 38, 43, 44, 45, 67, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 78, 80.
D. Vertrauenswürdigkeit und treuhänderisches Verhalten in Industrie, Handel und Landwirtschaft
34, 35, 36, 40, 48, 49, 50, 51, 52, 68, 76, 77, 79.
E. Vertrauenswürdigkeit bei Staatsdienern und Amtsträgern
53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 75.
Aus den Schriften Bahá'u'lláhs
1 0 Menschen! In den Augen Gottes ist heute die Vertrauenswürdigkeit das prächtigste Gewand. Jedwede Gnade und Ehre soll der Seele zuteil werden, die sich mit dieser vornehmsten aller Zierden kleidet.
(aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
2 Betrachte den Glauben als einen Baum. Seine Früchte, Blätter, Äste und Zweige sind und waren seit jeher Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit, Rechtschaffenheit und Langmut.
(aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
3 Die göttlichen Tugenden und Eigenschaften sind alle klar und offenbar; sie wurden in allen heiligen Büchern erwähnt und beschrieben. Unter ihnen sind Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit, Reinheit des Herzens in der Zwiesprache mit Gott, Langmut, Ergebenheit in alles, was der Allmächtige bestimmt, Geduld, ja Dankbarkeit inmitten von Leid und vollkommenes Vertrauen auf Ihn in allen Lebenslagen. Nach Gottes Werturteil zählen diese Tugenden zu den höchsten und lobenswertesten Taten. Alle andere Taten sind zweitrangig, diesen nachgeordnet, und werden es immer bleiben ...
(Ährenlese, 134, 2. Abschnitt)
4 Veredelt eure Zunge durch Wahrhaftigkeit, o Menschen und ziert eure Seele mit dem Schmuck der Ehrlichkeit. Hütet euch, o Menschen, daß ihr nicht gegen jemanden falsch seid. Seid Gottes Treuhänder unter Seinen Geschöpfen und die Wahrzeichen Seiner Großmut unter Seinem Volke. Wer seinen Gelüsten und verderbten Neigungen folgt, geht in die Irre und vergeudet seine Mühe. Er gehört wahrlich zu den Verlorenen.
(Ährenlese 136, 6. Abschnitt)
5 Die Absicht des einen, wahren Gottes bei Seiner Selbstoffenbarung ist, die ganze Menschheit zu Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, zu Frömmigkeit und Vertrauenswürdigkeit, zu Entsagung und Ergebenheit in den Willen Gottes, zu Nachsicht und Güte, zu Ehrlichkeit und Weisheit aufzurufen. Sein Ziel ist es, jeden Menschen in den Mantel eines geheiligten Charakters zu kleiden und ihn mit der Zier heiliger, edler Taten zu schmücken.
(Ährenlese 137, 4. Abschnitt)
6 Sprich: Laßt Wahrhaftigkeit und Höflichkeit euer Schmuck sein. Duldet nicht, daß ihr des Gewandes der Langmut und der Gerechtigkeit beraubt werdet, damit aus eueren Herzen die süßen Düfte der Heiligkeit über alles Erschaffene wehen. Sprich: Sei achtsam, o Volk Bahás, daß du nicht auf den Wegen jener wandelst, deren Worte sich von ihren Taten unterscheiden. Strebt, daß ihr fähig werdet, den Völkern der Erde Gottes Zeichen zu offenbaren und Seine Gebote widerzuspiegeln.
(Ährenlese 139, 8. Abschnitt)
7 Wir bitten Gott, erhaben sei Seine Herrlichkeit, jeden einzelnen der Freunde in jedem Land im Erringen solch lobenswerter Eigenschaften, die zur Verbreitung von Gerechtigkeit und Unparteilichkeit unter den Völkern der Welt führen, zu bestärken. Der erste, grundsätzliche Zweck, der der Schöpfung zugrunde liegt, war seit jeher und wird auch künftig kein anderer sein als das Sichtbarwerden von Vertrauenswürdigkeit und Frömmigkeit, von Aufrichtigkeit und Wohlwollen unter den Menschen, denn diese Eigenschaften sind die Ursache von Frieden, Sicherheit und Ruhe. Gesegnet ist, wer solche Tugenden besitzt.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
8 Ich flehe Dich an, o mein Gott, bei der alles überragenden Herrlichkeit Deines Namens, Deine Geliebten in das Gewand der Gerechtigkeit zu hüllen und ihr Wesen mit dem Licht der Vertrauenswürdigkeit zu erleuchten. Du bist Der, Der die Macht hat, zu tun, was Ihm gefällt, und Der die Zügel aller Dinge, der sichtbaren und der unsichtbaren, in Seinem Griff hält.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
9 Sprich: 0 Volk Gottes! Schmückt eure Tempel mit der Zier der Vertrauenswürdigkeit und Frömmigkeit. Alsdann helft eurem Herrn mit den Heerscharen guter Taten und einem lobenswerten Charakter.
(Aus Ishráqát, veröffentlicht in »Botschaften aus 'Akká« (revid. Ausgabe Haifa 1982), Bahá’í-Verlag 1982, 8:40, S. 141)
10 Eines Tages begaben Wir uns auf Unsere Grüne Insel. Als Wir sie betraten, sahen Wir fließende Bäche und Bäume in voller Pracht, zwischen denen die Sonne spielte. Unser Gesicht nach rechts wendend, sahen Wir, was die Feder nicht zu beschreiben vermag; sie kann nicht kundtun, was das Auge des Herrn der Menschheit an diesem heiligsten, hehrsten, seligsten, erhabensten Orte wahrnahm. Wir wandten Uns darauf zur Linken. Dort sahen Wir eine der Schönen des Erhabensten Paradieses auf einer Säule reinen Lichtes stehen und mit lauter Stimme rufen: »0 ihr Bewohner von Erde und Himmel! Schauet Meine Schönheit, Mein Leuchten, Meine Erscheinung, Meinen Glanz! Bei Gott, dem Wahren! Ich bin die Vertrauenswürdigkeit, ihre Offenbarung und ihre Schönheit. Ich will jeden belohnen, der sich an Mich hält, Meinen Rang und Meine Stufe erkennt und sich fest an den Saum Meines Gewandes klammert. Ich bin der edelste Schmuck für das Volk Bahás, der Mantel des Ruhmes für alle im Reiche der Schöpfung. Ich bin das erhabenste Werkzeug für die Wohlfahrt der Welt, der Horizont der Sicherheit für alles Leben.« Damit sandten Wir dir hernieder, was die Menschen näher zum Herrn der Schöpfung ziehen wird.
(Aus Ishráqát, veröffentlicht in »Botschaften aus 'Akká, Bahá’í-Verlag 1985, 8:44, S. 143)
11 Das vierte Taráz betrifft die Vertrauenswürdigkeit. Wahrlich, sie ist die Pforte zur Sicherheit für alle Erdenbewohner und ein Zeichen der Herrlichkeit von seiten des Allbarmherzigen. Wer daran teilhat, besitzt in der Tat die Schätze des Wohlstandes und des Glücks. Vertrauenswürdigkeit ist das weite, breite Tor zur Ruhe und Sicherheit des Volkes. In Wahrheit ist ohne sie, heute wie eh und je, nichts von Bestand. Alle Bereiche der Macht, Größe und Wohlfahrt leuchten in ihrem Licht.
(Aus Tarázát, in »Botschaften aus 'Akká«, 4:17, S. 53)
12 Würde sich jemand an diesem Tag mit dem Gewand der Vertrauenswürdigkeit schmücken, so wäre dies für ihn in den Augen Gottes besser, als zu Fuß zur heiligen Schwelle zu reisen und durch die Begegnung mit dem Geliebten und das Stehen vor Seinem Sitz der Herrlichkeit gesegnet zu werden. Vertrauenswürdigkeit ist wie ein Bollwerk für die Stadt der Menschheit und wie Augen für den Tempel des Menschen. Wer immer ihrer beraubt bleibt, wird vor Seinem Throne als jemand betrachtet, der der Sehkraft verlustig ging.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
13 Wir rufen uns die Freunde einzeln ins Gedächtnis zurück und ermahnen sie, auf die Vertrauenswürdigkeit zu achten, ein Pfand, das Gott Seinen Dienern zur Verwahrung gegeben hat, sowie auf die Redlichkeit, die Er zur starken Festung für Seine Begünstigten und Seine getreuen, demütigen Diener machte, und auf jedwede Tugend, die für sie zu Ansehen und Ehre unter allen Völkern führt.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
15 0 ihr Freunde Gottes in Seinen Städten, ihr Geliebten Gottes in Seinen Landen! Dieser Unterdrückte verpflichtet euch zu Ehrenhaftigkeit und Frömmigkeit. Gesegnet die Stadt, die durch ihr Licht erleuchtet wird! Durch diese Eigenschaften wird der Mensch erhoben und das Tor der Sicherheit vor aller Schöpfung geöffnet. Glücklich der Mensch, der sich fest an sie hält und ihren Wert erkennt, und wehe dem, der ihre Bedeutung leugnet!
(Aus »Brief an den Sohn des Wolfes«, S. 35)
16 Seid Gottes offenbarer Beweis an Vertrauenswürdigkeit in jedem Land. Ihr sollt diese Eigenschaften so vollkommen widerspiegeln, daß euer Blick, selbst wenn ihr durch Städte, übervoll von Gold, wandert, nicht einen Augenblick lang durch dessen Verlockung verführt würde. Dies ist das von euch erwünschte Wertmaß, o Schar der treuen Gläubigen. Steht eurem gnädigen Herrn mit eurem Reichtum und Vermögen bei, so daß Seine Diener in allen Welten Gottes bei euch die süßen Düfte des Einen Wahren Gottes wahrnehmen mögen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
17 Der ist der wahre Diener Gottes der an diesem Tag, und sollte er Städte aus Silber und Gold durchwandeln, sich nicht herbeiließe, einen Blick auf sie zu werfen, und dessen Herz rein und unbefleckt bliebe von allen Dingen, die diese Welt bieten kann, seien es ihre Güter oder ihre Schätze. Ich schwöre bei der Sonne der Wahrheit! Der Atem eines solchen Menschen ist mit Macht ausgestattet und seine Worte mit Anziehungskraft.
(Zitiert in Shoghi Effendi »Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit«,Bahá’í-Verlag 1969, S. 40)
18 Sprich: 0 Träger Meines Namens! Auf dir seien Meine Herrlichkeit und Meine liebevolle Güte. Du warst stets mit dem reinen Gewand der Vertrauenswürdigkeit und der Frömmigkeit geschmückt. Diese Zwillingseigenschaften sind für dich wie zwei Gefährten, bei denen du Trost finden mögest. Sie sind wie zwei Wächter, die über dich wachen, und wie zwei Beschützer, die mit Gottes Erlaubnis dich vor Schaden bewahren sollen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
19 Klammert euch an den Saum des Gewandes der Tugend und haltet euch fest am Seil der Frömmigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Achtet auf das Wohl der Welt und nicht auf eure selbstsüchtigen Wünsche. 0 Volk Gottes! Ihr seid die Hirten der Welt. Haltet eure Herden vom Schlamm übler Leidenschaften und Verlangen unbeschmutzt und schmückt jeden mit der Zier der Gottesfurcht. Dies ist der unabänderliche Befehl, der an diesem Tag der Feder des Ewig Bestehenden entströmte. Ich schwöre bei der Gerechtigkeit Gottes! Das Schwert rechtschaffenen Verhaltens und eines guten Charakters ist schärfer als Klingen aus Stahl.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
20 Wir bitten Gott, gnädig zu gewähren, daß alle einen solch reinen Charakter, so wertvolle Taten und so freundliche Worte aufweisen mögen, wie sie Seinem Wohlgefallen entsprechen. Es wurde verordnet, daß die Festungen der Menschenherzen durch die Heerscharen eines edlen Charakters und lobenswerter Taten bezwungen werden sollen. Zank, Zwietracht, Kampf und Aufruhr wurden im Buche Gottes allesamt verboten. Flehet den Herrn an, Er möge Seinen Städten und Ländern nicht das glänzende Licht der Sonne der Vertrauenswürdigkeit vorenthalten, noch ihnen den strahlenden Glanz der Sonne der Wahrhaftigkeit oder die Pracht des Gestirns der Gerechtigkeit und Unparteilichkeit versagen. Vertrauenswürdigkeit und Frömmigkeit sind wie zwei Leuchten, die über dem Horizont des Himmels der Tafel, auf der die Verordnungen Gottes niedergeschrieben wurden, funkelnd strahlen. Wohl denen, die sie erkannt haben, und wehe den Achtlosen!
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
21 Wir haben allen Menschen in klarster und ausdrucksvollster Sprache geraten, ihren Charakter mit Vertrauenswürdigkeit und Frömmigkeit zu schmücken, sowie mit solchen Eigenschaften, die dazu führen, die Stufe des Menschen in der Welt des Daseins zu erhöhen. Dieser Unterdrückte bezeugt, daß die sterblichen Menschen aus dem völligen Nichtsein zu dem Zweck ins Reich des Seins gelangten, für die Besserung der Welt zu wirken und miteinander in Einklang und Harmonie zu leben. Zwist und Streit wurden seit jeher und werden auch künftig von Gott verworfen. Die Bücher, Schriften und Heiligen Texte vergangener Zeitalter haben alle die frohe Botschaft verkündet, daß die Absicht, die dieser mächtigen Offenbarung zugrunde liegt, keine andere ist als die Wiederherstellung der Ehre der Welt und ihrer Völker: auf daß die Macht der Worte vielleicht die Macht der Waffen überwinden und die Belange der Welt durch die Kraft der Liebe geregelt werden mögen. Wir bitten Gott, den Wahren, jeden mit dem Mantel der Vertrauenswürdigkeit zu schmücken, denn dies ist das schönste Gewand der Welt.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
22 Halte dich an die Gottesfurcht und an alles, was in Seinem Buche geoffenbart wurde. So befiehlt dir Der, Der das Wort der Wahrheit ist und die unsichtbaren Dinge kennt. Sprich: Vertrauenswürdigkeit ist die Sonne am Himmel Meiner Gebote, Wahrhaftigkeit ist sein Mond, und lobenswerte Eigenschaften sind seine Sterne. Aber die meisten Menschen begreifen es nicht.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
23 Wir senden Unsere Grüße an die treuen Anhänger des Einen, Wahren Gottes, die vom köstlichen Wasser liebevoller Güte gekostet und ihren Blick auf das Reich der Herrlichkeit gerichtet haben. Wir machen ihnen allen zur Pflicht, sich vertrauenswürdig und rechtschaffen zu verhalten und ein sittsames und tugendhaftes Leben zu führen. 0 geliebte Freunde! Wer immer seinen Charakter mit solchen Tugenden ziert, wird zu den wahren Dienern Gottes gezählt, und die Heerscharen der Höhe werden seines Namen gedenken. Wer sich jedoch dessen beraubt, wird nicht als einer aus ihren Reihen gezählt. Strebt emsig danach, solche wertvollen Eigenschaften und Charakterzüge zu erwerben, die zur Ursache ewigen Heils werden. Macht nicht die Früchte des Baumes der Vertrauenswürdigkeit zu Zielscheiben für die Steine des Verrats, noch zerbrecht seine Zweige mit den Werkzeugen tyrannischer Härte und Unterdrückung. Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit waren seit jeher eine Zier für den Charakter des Menschen, und sie sollen es ewig sein.
0 Freunde! Laßt nicht zu, daß das trügerische Blendwerk dieser vergänglichen Welt deren Unbeständigkeit alle Dinge bezeugen euch von Gottes bleibenden Gaben trenne und euch davon abhalte, von der geistigen Nahrung zu essen, die Er vom Himmel Seiner Güte herabgesandt hat. Haltet euren Blick auf Ihn gerichtet, Der das Höchste Wort der Wahrheit ist. Setzt euer ganzes Vertrauen auf Ihn und erbittet von Ihm, für euch zu bestimmen, was schicklich und angemessen ist. Legt eure Angelegenheiten in die Hände Gottes, des Herrn der Schöpfung. Ruft euch die Menschen früherer Zeitalter ins Gedächtnis zurück: Wohin sind sie geeilt, die Stolzen und Hochmütigen, die Übeltäter, die Sünder? Wo sind ihre angehäuften Schätze, ihre Paläste, Festungen und Throne? Denkt über jene vergangenen Zeiten nach und über die Unbeständigkeit, von der sie berichten, und seid davon belehrt. Dieser Unterdrückte betet inständig, Gott möge allen helfen, das zu tun, was Seine Gunst und Billigung findet.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
24 Du bist Uns überaus teuer; und wie Wir dich lieben, so lieben wir alle, in denen der wertvolle Schmuck der Vertrauenswürdigkeit und Rechtschaffenheit und Eigenschaften wie Tugendhaftigkeit und Ehrlichkeit wahrgenommen werden können, so wie es den Menschen im Buche Gottes, des Herrn des mächtigen Thrones, zur Pflicht gemacht wurde. Wohl dem Los der Seele, die den Dufthauch göttlicher Äußerung wahrnahm und dem Gehör schenkte, was von Gott, dem Allwissenden, dem Allunterrichteten, offenbart wurde. Gott hat wahrlich bestimmt, daß Seine Sache durch Heerscharen guter Taten und einen aufrechten Charakter unterstützt werden soll. Gesegnet sei daher, wer diese Wahrheit erfaßt und im Einklang damit handelt, und wehe denen, die sie nicht beachten oder verwerfen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
25 Wir senden den Freunden Unsere Grüße und ermahnen sie, sich rechtschaffen, vertrauenswürdig, fromm, tugendhaft und gütig zu verhalten kurzum, all den Eigenschaften entsprechend, die dazu beitragen, die wahre Stufe des Menschen in der Welt des Seins ans Tageslicht zu bringen. Er, die Ewige Wahrheit, erhaben sei Seine Herrlichkeit, liebte stets die Treue. Wohl dem, der seinen Tempel mit ihrem Gewande schmückt und mit dieser höchsten aller Ehren ausgezeichnet wird.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
26 Vertrauenswürdigkeit, Weisheit und Ehrlichkeit sind ( wahrlich Gottes überaus schöner Schmuck für Seine Geschöpfe. Diese reinen Gewänder sind das geziemende Kleid für jeden Tempel. Glücklich sind jene, die dies begreifen, und wohl ist es um die bestellt, die sich solche Tugenden aneignen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
27 Euch zu allen Zeiten am Seile der Vertrauenswürdigkeit festzuhalten und den Saum des Gewandes der Wahrhaftigkeit zu ergreifen, heißt euch Er, der Wahrhaftige, der Vertrauenswürdige. Gott ist mein Zeuge, Vertrauenswürdigkeit ist ein Licht, das hell von den Himmeln strahlt und zur Erhabenheit der Sache Gottes, des Allmächtigen, den Unvergleichlichen, des Allgepriesenen, führt. Wer immer dem Bündnis treu blieb, hielt sich fest und standhaft an die Vertrauenswürdigkeit, während jene, die es ablehnten, schMirzaich irrten.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
28 Euch allen geziemt, euer inneres und äußeres Wesen so zu schmücken, daß ihr, in Vertrauenswürdigkeit gekleidet, mit Rechtschaffenheit gegürtet und mit Wahrhaftigkeit und Redlichkeit geziert, zum Mittel für die Erhöhung der Sache Gottes und die Erziehung der Menschheit werdet.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
29 Die Gefährten Gottes sind an diesen Tagen der Sauerteig der die Völker der Welt durchdringen muß. Sie müssen solche Vertrauenswürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Ausdauer, solche Taten und einen solchen Charakter an den Tag legen, daß die ganze Menschheit aus ihrem Beispiel Nutzen ziehen kann.
(zitiert in »Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit«, S. 40)
30 Jene, die im Zelte Gottes wohnen und sich auf den Sitzen ewiger Herrlichkeit niederließen, werden sich weigern, und sollten sie deshalb Hungers sterben, ihre Hand auszustrecken, um unrechtmäßig nach dem Besitz ihres Nächsten zu greifen, wie nichtswürdig und wertlos dieser auch sein mag. Die Absicht des einen, wahren Gottes bei der Offenbarung Seines Selbstes ist, die ganze Menschheit zu Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, zu Frömmigkeit und Vertrauenswürdigkeit, zu Ergebenheit und Unterwerfung unter den Willen Gottes, zu Langmut und Güte, zu Rechtschaffenheit und Weisheit zu rufen. Sein Ziel ist, jeden Menschen mit dem Mantel eines geheiligten Charakters zu bekleiden und ihn mit dem Schmucke heiliger und guter Tagen zu zieren.
(zitiert in »Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit«, S. 40/41)
31 0 Meine Geliebten! Wir machen euch zur Pflicht, euch vertrauenswürdig und rechtschaffen zu verhalten, auf daß Seinen Dienern durch euch die Eigenschaften eures Herrn offenbart und die Beweise Seiner erhabenen Heiligkeit in jedem Lande sichtbar werden mögen. Er ist, wahrlich, der Verordner, der Altehrwürdige der Tage.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
32 Ich rate euch, o Freunde Gottes, daß euer Verhalten zu meinen Dienern und meinem Volk mit äußerster Vertrauenswürdigkeit in Einklang steht. Mit ihrer Hilfe soll die Sache Gottes in der ganzen Welt gefördert und ihre erhabenen Heiligkeit der ganzen Schöpfung kundgetan werden. Seid Verwahrungsorte des Vertrauens aller Menschen. So haben Wir ihnen in den Sendschreiben befohlen. Wahrlich, dein Herr ist der Allwissende, der Allweise.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
33 0 Freunde Gottes in jedem Land! Dieser Unterdrückte beschwört euch beim Meistgeliebten der Welt, Der mit lauter Stimme im Reich der Äußerung ruft, nicht treulos mit dem Vermögen eurer Mitmenschen umzugehen. Seid die Treuhänder Gottes in Seinen Landen und die Verkörperung der Wahrhaftigkeit in allen Seinen Reichen. Gesegnet der Mensch, der die Ratschläge Gottes beachtet und Seine Gebote hält.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
34 Wir haben allen zur Pflicht gemacht, ein Gewerbe oder einen Beruf auszuüben, und haben eine solche Beschäftigung zum Gottesdienst erklärt. Vor allem anderen solltest du jedoch als ein Zeichen der Zustimmung Gottes den Mantel der Vertrauenswürdigkeit aus den Händen göttlicher Gunst empfangen; denn die Vertrauenswürdigkeit ist das vornehmste Mittel, um Segen und Wohlergehen anzuziehen. Wir bitten Gott inständig, aus ihr eine helle und gütig regenspendende Wolke werden zu lassen, die deinen Angelegenheiten Erfolg und Segen bringt. Er ist, wahrlich, der Allfreigebige, der Gnädige.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
35 Der Handel ist wie ein Himmel, dessen Sonnen die Vertrauenswürdigkeit und dessen Mond die Wahrhaftigkeit ist. Das wertvollste aller Dinge ist nach dem Urteil Dessen, Der die Höchste Wahrheit ist, die Vertrauenswürdigkeit. So wurde es in der heiligen Schriftrolle Gottes aufgezeichnet. Bitte den Einen, Wahren Gott inständig, der ganzen Menschheit möglich zu machen, diese edelste und erhabene Stufe zu erlangen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
36 Im Zusammenhang mit den Zahlungsaufforderungen, von denen du in deinem Brief geschrieben hast, wird klar und deutlich, daß jeder, der die Möglichkeit hat, seine Schulden zu begleichen, und dies zu tun trotzdem unterläßt, nicht dem Wohlgefallen des Einen, Wahren Gottes entsprechend handelt. Jene, die Schulden machen, sollten bestrebt sein, sie mit allem Eifer und Fleiß zu begleichen. Gottes bindende Gebote in Bezug auf Vertrauenswürdigkeit, Redlichkeit und das Respektieren von Rechten wurden in klarer und leicht verständlicher Sprache in allen heiligen Büchern, Sendschreiben, Schriften und heiligen Texten niedergeschrieben. Wohl dem, den die vergängliche Eitelkeit der Welt nicht eines beständigen Schmuckes beraubt hat, und den Habsucht und Nachlässigkeit nicht vom Strahlenglanz der Sonne der Vertrauenswürdigkeit ausschließen. Diese Angelegenheiten hängen jedoch vom Vorhandensein der Möglichkeit ab, denn das Stellen einer Forderung bedingt, daß sie erfüllt werden kann. Beim Herrn des Buches, das erste ist nicht statthaft beim Fehlen des letzteren. Dies bezeugt der Vers: 'Gewähre deinem Schuldner Aufschub, bis er Mittel und Wege zum Zahlen findet.'1
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
37 In den meisten Unserer Tablets haben Wir den Dienern Gottes geraten, vertrauenswürdig und redlich, gerecht und aufrichtig zu sein. Wir haben ihnen befohlen, Unrecht und Böses zu unterlassen, und sie geheißen, Frömmigkeit und Gottesfurcht zu üben. Die Achtlosen wurden jedoch in ständig wachsenden Verlust gestürzt. Wahrlich, hätten Gottes Geschöpfe nur ihre Taten mit dem Willen und Wohlgefallen Gottes, erhaben sei Seine Herrlichkeit, in Einklang gebracht, könnte die ganze Erde schon jetzt als ein einziges Land angesehen werden, ein gesegnetes Land der Schönheit und des Lichtes.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
38 Sprich: Laß ab von Bosheit und Übertretungen und halte, dich fest an Vertrauenswürdigkeit und Frömmigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit. Dies ist das Gebot Gottes, des Herrn des Jüngsten Gerichts. Er, Den die Welt unterdrückte, spricht nicht von weltlichen Wünschen getrieben, sondern im Einklang mit dem, was im Buche Gottes, des Gebieters, des Altehrwürdigen der Tage, offenbart worden ist. Rechtschaffenheit des Charakters ist das Mittel, durch das die hohen Stufen, die der Mensch in der Welt des Seins erlangen kann, sichtbar gemacht werden können; dies bezeugen Gottes hochgeachtete Diener, die die bösen Einflüsterungen der Menschen nicht daran gehindert haben, sich zu erheben, um ihrem Herrn, dem König des Mächtigen Thrones, zu dienen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
39 Gehöre zum Volke des Höllenfeuers, aber sei kein Heuchler. Sei ein Ungläubiger, aber sei kein Ränkeschmied. Wohne in Schenken, aber beschreite nicht den Pfad des Unheilstifters. Fürchte Gott, aber nicht die Menschen. Gib dem Henker dein Haupt, aber nicht dein Herz. Deine Bleibe sei unter dem Stein, aber suche nicht des Geistlichen Schutz.
So stimmt die Heilige Schalmei ihre Melodien an, und die Nachtigall des Paradieses schlägt ihr Lied, auf daß Er ewiges Leben in die sterblichen Hüllen der Menschen einflößen, den Tempeln aus Staub das Wesen des Heiligen Geistes und des himmlischen Lichtes verleihen und die vergängliche Welt durch die Macht eines einzigen Wortes zum ewigen Königreich hinziehen möge.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
Aus den Äußerungen des Báb
40 Eines Tages bat der Báb darum, man möge Ihm etwas Honig besorgen. Der Kaufpreis dafür erschien Ihm ungewöhnlich hoch. Er wies ihn zurück und sprach: »Zweifellos hätte man Honig von besserer Qualität um einen geringeren Preis bekommen können. Ich, euer Lebensvorbild, war Kaufmann von Beruf. Es ziemt euch, in allen euren geschäftlichen Unternehmungen Meiner Art und Weise zu folgen. Ihr sollt weder euren Nächsten übervorteilen, noch euch von ihm betrügen lassen. So hat es euer Meister gehalten. Die geschicktesten und fähigsten Menschen vermochten Ihn nicht zu täuschen, noch wünschte Er Seinerseits, auch dem geringsten und hilflosesten Geschöpf gegenüber unedelmütig zu handeln.« Er bestand darauf, daß der Diener, der den Kauf getätigt hatte, wieder hingehen und Ihm zu einem billigeren Preis einen Honig von besserer Qualität bringen soll.
(Zitiert in »The Dawn Breakers Nabils Bericht aus den frühen Tagen der Bahá’í-Offenbarung«, Bahá’í- Verlag 1982, S. 333)
Aus den Schriften 'Abdu’l-Bahás
41 Wahrhaftigkeit ist die Grundlage aller menschlichen Tugenden. Ohne Wahrhaftigkeit sind Fortschritt und Erfolg für jede Seele in allen Welten Gottes unmöglich. Wenn diese heilige Eigenschaft im Menschen fest begründet ist, wird er alle himmlischen Eigenschaften ebenfalls erwerben.
(zitiert in »Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit«, S. 44)
42 O Sádiq!2 Wahrhaftigkeit, Redlichkeit und Ehrlichkeit sind die Eigenschaften der Gerechten und das Merkmal der Reinen. Wahrhaftigkeit ist die edelste aller Eigenschaften, denn sie umfaßt alle anderen Tugenden. Ein ehrlicher Mensch wird vor jeder Trübsal beschützt, wird vor jeder bösen Tat zurückweichen und vor jeder sündhaften Handlung behütet sein, da alle Untugenden und Missetaten im genauen Gegensatz zur Wahrhaftigkeit stehen und ein ehrlicher Mensch sie alle entschieden verabscheut.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
43 O reine Seele! Trete in die Fußstapfen der Wahrhaftigen und gehe den Pfad der Rechtschaffenen, damit du durch die Wahrhaftigkeit einen Sitz der Wahrheit3 einnehmen und durch Rechtschaffenheit bleibende Ehre erlangen mögest. Würde die Summe aller Sünden auf der Waage gewogen, so würde die Lügenhaftigkeit sie ganz alleine aufwiegen: nein, ihre Übel würden sie sogar überwiegen und ihr Schaden sich als größer erweisen. Es wäre besser für dich, du wärst ein Gotteslästerer und würdest die Wahrheit sagen, als die Glaubensformel in den Mund zu nehmen und doch ein Lügner zu sein. Diese klaren Worte sind als eine Ermahnung an die Völker der Welt gerichtet. Erweise Gott Dank, daß dieser Rat durch dich an die ganze Menschheit gerichtet wurde.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
44 0 Heer Gottes! Durch den Schutz und Beistand, gewährt von der Gesegneten Schönheit möge mein Leben ein Opfer für Seine Geliebten sein , müßt ihr euch in einer solchen Art und Weise verhalten, daß ihr ausgezeichnet und leuchtend wie die Sonne unter anderen Seelen hervorragen möget. Wenn einer von euch eine Stadt betritt, sollte er wegen seiner Aufrichtigkeit, seiner Gewissenhaftigkeit und Liebe seiner Ehrlichkeit und Treue, seiner Wahrhaftigkeit und liebevollen Güte zu allen Völkern der Welt zu einem Mittelpunkt der Anziehung werden, so daß die Bewohner jener Stadt ausrufen und sagen mögen: »Dieser Mensch ist zweifellos ein Bahá’í, weil sein Betragen, sein Verhalten, seine Führung, seine Sitten, sein Wesen und sein Gemüt die Eigenschaften der Bahá’í widerspiegeln.« Erst wenn ihr diese Stufe erreicht habt, kann über euch gesagt werden, daß ihr dem Bund und Testament Gottes treu gewesen seid. Denn Er ist mit uns allen durch unwiderlegbare Heilige Texte ein bindendes Bündnis eingegangen, das von uns verlangt, Seinen heiligen Anweisungen und Ratschlägen entsprechend zu handeln.
(»Selections from the Writings of ‘Abdu’l-Bahá«, (rev. ed. Haifa 1982), 35, pp. 70 71)
45 ...wir und die Freunde Gottes sollten auf keinen Fall nachlassen in unserem Bemühen, treu, aufrichtig und Menschen guten Willens zu sein. Wir sollten unsere Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit stets deutlich zeigen, ja, wir müssen sogar unerschütterlich in unserer Treue und Vertrauenswürdigkeit sein und uns damit befassen, für das Wohl aller zu beten.
(»Selections from the Writings of 'Abdu'I Bahá«, 225, p. 294)
46 Das Hauptmerkmal eines wahren Gläubigen ist die Vertrauenswürdigkeit, wohingegen das Hauptmerkmal des Rebellen die Treulosigkeit ist.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
47 Sollte jemand lauter gute Werke verrichten, aber ohne das leiseste Bedenken versäumen, voll und ganz vertrauenswürdig und ehrlich zu sein, würden seine guten Taten trockenem Zunder und sein Versäumnis seelenverzehrendem Feuer gleichen. Sollte andererseits all sein Tun mangelhaft sein, er aber vertrauenswürdig und ehrlich handeln, so würden alle seine Mängel schließlich wettgemacht, aller Schaden behoben und alle Schwächen geheilt. Unsere Meinung ist, daß in den Augen Gottes Vertrauenswürdigkeit die Grundlage Seines Glaubens und das Fundament aller Tugenden und Vollkommenheiten ist. Wer dieser guten Eigenschaft beraubt ist, dem mangelt es an allem. Was sollen Glaube und Frömmigkeit nützen, wenn die Vertrauenswürdigkeit fehlt? Welches Ergebnis können sie zeitigen? Welchen Gewinn oder Vorteil können sie bescheren? Deshalb rät 'Abdu’l-Bahá den Freunden nein, beschwört sie sogar inbrünstig , die Heiligkeit der Sache Gottes so wachsam zu beschützen und ihre persönliche Würde als einzelne so zu wahren, daß alle Völker sie wegen ihrer Vertrauenswürdigkeit und Rechtschaffenheit kennenlernen und dafür ehren werden. Sie können heute keinen größeren Dienst leisten als diesen. Anders zu handeln würde bedeuten, die Axt an die Wurzeln der Sache Gottes zu legen wir suchen Zuflucht bei Gott vor diesem abscheulichen Vergehen und beten darum, daß Er Seine Geliebten vor dem Begehen solch eines schändlichen Unrechts schützen möge.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
48 Sie schrieben zu der Frage, wie die Freunde ihre gegenseitigen Handelsbeziehungen abwickeln sollten. Diese Frage ist von größter Wichtigkeit und eine Sache, die lebhafteste Aufmerksamkeit verdient. Bei dieser Art Beziehungen sollten die Freunde Gottes mit äußerster Vertrauenswürdigkeit und Rechtschaffenheit handeln. Auf diesem Gebiet nachlässig zu sein, würde bedeuten, sein Antlitz von den Ratschlägen der Gesegneten Schönheit und den heiligen Geboten Gottes abzuwenden. Wenn jemand seine Verwandten und Freunde in seinem eigenen Haus nicht mit völliger Vertrauenswürdigkeit und Rechtschaffenheit behandelt, wird sein Umgang mit der Außenwelt wieviel Vertrauenswürdigkeit und Ehrlichkeit er ihr auch immer entgegenbringen mag sich als unfruchtbar und unproduktiv erweisen. Zuerst sollte man seine eigenen Familienangelegenheit in Ordnung bringen; dann sollte man seine Geschäfte mit der Außenwelt betreiben. Es sollte sicherlich nicht behauptet werden, man bräuchte die Freunde nicht mit übermäßiger Aufmerksamkeit zu behandeln oder es sei für sie nicht nötig, im Umgang miteinander dem Ausüben von Vertrauenswürdigkeit allzu große Bedeutung beizumessen; daß aber in ihren Beziehungen zu Fremden korrektes Verhalten durchaus notwendig sei. Ein solches Gerede ist reine Einbildung und wird zu Schaden und Nachteil führen. Gesegnet sei die Seele, die unter dem Volk das Licht der Vertrauenswürdigkeit ausstrahlt und zum Zeichen der Vollkommenheit unter allen Menschen wird.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
49 Da das ordnungsgemäße Führen Ihrer Gesellschaft von der Hingabe, Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und Reinheit der Absicht, die die Freunde Gottes zeigen, abhängt, sollten sie beim Abwickeln ihrer Geschäfte solche Reinheit, Vornehmheit und weitblickende Weisheit kundtun, daß sie zum Vorbild für andere Gesellschaften werden, und alle Menschen durch ihr Beispiel belehrt und erleuchtet werden mögen. Auf diese Weise werden die Bahá’í allen als zuverlässige und ehrliche, tugendhafte und erleuchtete, makellose und geläuterte Menschen bekannt, die eifrig und von edlen Grundsätzen, vorurteilslos im Denken und Förderer der Freiheit sind; deren Anliegen es ist, dem Allgemeinwohl zu dienen und nicht ihren eigenen Interessen, und deren Ziel es ist, das Wohlergehen und Gedeihen der Menschheit zu fördern und nicht ihr eigenes Wohlergehen zu begünstigen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
50 Ihr Prüfstein sollte sein, daß Sie Ihre geschäftlichen Tätigkeiten mit einer Gerechtigkeit und Unparteilichkeit betreiben, an der sich andere orientieren können. Die Freunde Gottes sollten ihren Beruf als Mittel benützen, um die Menschen zum Pfade Gottes zu führen und sie so in Erstaunen zu setzen, daß sie ausrufen: »Wie groß ist ihre Wahrhaftigkeit, wie erhaben ihre Vertrauenswürdigkeit und wie aufrichtig ihr guter Wille.«
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
51 Jede Handelsgesellschaft sollte nach göttlichen Prinzipien gegründet werden. Vertrauenswürdigkeit, Frömmigkeit und Wahrhaftigkeit sollten ihre Basis bilden, um die Rechte der Menschen zu schützen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
52 Handel, Landwirtschaft und Industrie sollten wahrhaftig kein Hindernis sein, dem Einen, Wahren Gott zu dienen. In der Tat sind solche Berufe die mächtigsten Mittel und klarsten Beweise für das offenbare Zeugnis von der Frömmigkeit eines Menschen, für seine Vertrauenswürdigkeit und die Tugenden des Allbarmherzigen Herrn.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
53 Ihr, die ihr aufrichtige Gönner des Staates und pflichtgetreue, gehorsame Untertanen der Regierung seid, solltet ständig mit Dienen befaßt sein. Wer immer in den Regierungsdienst tritt, sollte in all seinem Tun und Handeln ein Höchstmaß an Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit, an Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin, an Lauterkeit und Reinheit, an Gerechtigkeit und Unparteilichkeit kundtun. Wenn er Gott behüte! des geringsten Vertrauensbruches schuldig sein oder nachlässig oder oberflächlich an seine Pflichten herangehen oder auch nur einen Silberling dem einfachen Volke mit Gewalt entreißen oder danach trachten sollte, seine eigenen selbstsüchtigen Interessen und seinen persönlichen Gewinn zu fördern so ist gewiß, daß er der Ausgießungen göttlicher Gnade beraubt sein wird.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
54 Beim Ausführen der Pflichten des Amtes, in das du berufen wurdest, sollten dein Verhalten und dein Handeln das höchste Maß an Vertrauenswürdigkeit und Ehrlichkeit aufzeigen, bis hin zu einem Grad an Aufrichtigkeit, der ganz und gar über jeden Verdacht erhaben ist, und zu einer Rechtschaffenheit, die gegen die Einflüsterungen des Eigennutzes gefeit ist. Auf diese Weise werden alle erfahren, daß die Bahá’í die Verkörperung der Redlichkeit und das reine Wesen makelloser Tugend sind. Wenn sie ein Amt annehmen, ist ihr Beweggrund, der ganzen Menschheit zu dienen, nicht ihren eigenen Vorteil zu suchen. Ihr Ziel ist, die Sache der Wahrheit zu schützen, nicht Genußsucht und gemeiner Undankbarkeit zu verfallen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
55 Was jene betrifft, die im Staatsdienst stehen, so sollten sie ihre Pflichten mit äußerster Treue, Vertrauenswürdigkeit, Rechtschaffenheit, Geradheit, Redlichkeit und Hochherzigkeit erfüllen. Laßt sie nicht ihren guten Ruf durch das Verfolgen persönlicher Interessen besudeln, noch sich um vergänglicher, weltlicher Vorteile willen zum Gegenstand öffentlichen Hasses und zu jenen machen, die von der Schwelle der Herrlichkeit verstoßen sind.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
56 Jene, die der Öffentlichkeit zu dienen ausgewählt oder in Verwaltungsämter berufen werden, sollten ihre Pflichten im Geiste echter Dienstbarkeit und bereitwilliger Erfüllung nachkommen. Damit ist gemeint, daß sie sich durch ihr angenehmes Wesen und ihren tugendhaften Charakter auszeichnen, mit dem ihnen zuerkannten Entgelt zufrieden sein und bei allem, was sie tun, vertrauenswürdig handeln sollen. Sie sollten unwürdige Motive meiden und von habgierigen Absichten weit entfernt sein; denn Redlichkeit, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit gehören zu den mächtigsten Mitteln, um Gottes Gnade anzuziehen und sowohl das Glück des Landes als auch das Wohlergehen des Volkes sicherzustellen. Ruhm und Ehre des Menschen liegen nicht in Besitz und Reichtum, am allerwenigsten in solchem, der widerrechtlich durch Erpressung, Unterschlagung und Bestechlichkeit, betrieben auf Kosten eines ausgebeuteten Volkes, angehäuft wurde. Höchste Ehre, Würde und Größe in der Menschenwelt und wahre Glückseligkeit in diesem und dem kommenden Leben bestehen allesamt in Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit, Heiligkeit und Loslösung. Wenn ein Mensch Ruhm sucht, sollte er sich mit bescheidenen Rücklagen begnügen, das Los der Armen des Landes zu erleichtern trachten, den Weg der Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit wählen und den Pfad hochgesinnten Dienens betreten. Solch ein Mensch, so bedürftig er auch sein mag, wird unvergänglichen Reichtum ernten und immerwährende Ehre erlangen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
57 Wenn irgendwelche der Freunde in den Regierungsdienst treten, sollten sie ihr Amt zum Mittel machen, um der göttlichen Schwelle näherzukommen: Sie sollten mit Redlichkeit und Rechtschaffenheit handeln, unerbittlich alle Formen von Bestechlichkeit und Korruption meiden, sich mit dem Gehalt, das sie bekommen, begnügen und eher stolz sein auf das Maß an Klugheit, Können und Urteilsvermögen, das sie in ihre Arbeit einbringen können. Wenn sich jemand mit einem einzigen Brotlaib zufriedengibt und seine Pflichten mit aller in seiner Macht liegenden Gerechtigkeit und Aufrichtigkeit erfüllt, wird er zum Fürsten der Sterblichen und zum rühmenswertesten Menschen. Edel und hervorragend wird er sein, trotz seines leeren Beutels! Allen voran wird er zu den Freien zählen, wenn auch sein Gewand alt und abgetragen ist. Für den Menschen liegen Ruhm und Ehre in tugendhaften und edlen Eigenschaften, Ansehen und Würde im Nahesein an der göttlichen Schwelle. Im Vergleich dazu ist irdischer Besitz ein Werk der Täuschung4. Jene, denen danach gelüstet, sind Anhänger des Übels, und binnen kurzem werden sie in Verwirrung und Verzweiflung gestürzt sein. Was ist besser daß ein Mensch so wird oder daß sein Benehmen Hingabe und Reinheit der Absicht zeigt und er wegen seiner Rechtschaffenheit, Geradheit und Ehrlichkeit deutlich hervorsticht? Ja, solche Eigenschaften sind sogar besser als die Reichtümer von Kurah5 und wertvoller als alle Schätze der Welt.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
58 Wenn einer der Freunde ...in ein hohes Verwaltungsamt berufen wird, sollte er eifrig bestrebt sein, die seiner Verantwortung anvertrauten Aufgaben mit vollkommener Ehrlichkeit, Reinheit, Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit und Redlichkeit zu erfüllen. Wenn er jedoch eine Stellung durch unlauteres oder gewinnsüchtiges Verhalten mißbraucht, wird er an der Schwelle der Erhabenheit verabscheut werden und sich den Zorn der Abhá Schönheit zuziehen nein, er wird vom Einen, Wahren Gott und allen, die Ihn anbeten, verlassen werden. Zu solchem Tun keineswegs bereit, sollte er sich mit seinem Gehalt und seinen Vergütungen zufriedengeben, nach dem Pfad der Rechtschaffenheit trachten und sein Leben dem Dienst an Staat und Volk widmen. So muß das Verhalten Betragen der Bahá’í sein. Wer immer diese Grenzen überschreitet, wird schließlich unverkennbarem Verderben anheimfallen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tat)
59 Jene Seelen, die in Dienststellen der Regierung arbeiten sollten mit völliger Loslösung, Reinheit und unabhängigen Sinnes, mit vollkommener Hingabe und reiner Absicht ihre Pflichten herangehen. Zufrieden mit dem Lohn, den erhalten, sollten sie darauf achten, ihren unbescholtenen Charakter nicht durch Bestechlichkeit und Betrug zu beschmutzen. Sollte einer der Freunde sich heute auch nur einen einzigen Pfennig widerrechtlich aneignen, würde durch seine der heilige Mantel der Sache Gottes besudelt und die Schande der Gemeinde anhaften. Gott bewahre! Ja, sogar Regierung und Volk sollten soweit kommen, ein solches trauen in die Bahá’í zu setzen, daß sie alle Staatsangelegenheiten in allen Provinzen in die tugendhaften und reinen Hände von Gottes Geliebten legen möchten.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
60 Alle Regierungsangestellten, ob von hohem oder niedrigem Rang, sollten in vollkommener Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Rechtschaffenheit mit ihren bescheidenen Bezügen und Vergütungen zufrieden sein. Sie sollten ihre Hände unbesudelt lassen und ihren unbescholtenen Namen vor Schande bewahren ... Wenn jemand einer gerechten Regierung gegenüber treulos handelt, handelt er treulos gegenüber Gott; und wenn er ihr treu dient, hat er diesen Dienst Gott erwiesen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
61 Mögen sie ihre Dienste in vollkommener Reinheit und Loslösung erfüllen und sich auf keinen Fall durch das Annehmen von Bestechungsgeldern, das Hegen ungehörig Absichten oder die Verwicklung in schädliche Machenschaften besudeln. Mögen sie mit ihrem Lohn zufrieden sein und durch Wahrhaftigkeit, Offenheit und Streben nach Tugend und Vortrefflichkeit Ruhm zu erlangen suchen; denn sich auf Reichtum etwas einzubilden, ist nichts als der Verachtung wert, und auf Besitztümer stolz zu sein, ist nur für die Toren schicklich. Um wahren Ruhm und Ehre zu erlangen, sollte der Mensch Gerechtigkeit und Unparteilichkeit üben, tyrannisch zu handeln unterlassen, seiner Regierung dienen und für das Wohl seiner Mitbürger arbeiten. Sollte er nach etwas andere als diesem streben, wird er wahrhaftig unverkennbaren Schaden erleiden.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
62 Wie töricht und einfältig muß ein Mensch sein, wie niederträchtig sein Wesen und wie nichtswürdig der Lehm aus dem er geformt wurde, wenn er sich dem Staat gegenüber mit dem Schmutz der Bestechung, der Korruption und Treulosigkeit besudelt! Wahrlich, das Ungeziefer der Erde ist solchen Menschen vorzuziehen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
63 Falls einer der Freunde aufgefordert werden sollte seinem Land und seinem Volk in irgendeiner Stellung zu dienen, sollte er sich seiner Arbeit mit Herz und Seele widmen und seine Pflichten mit absoluter Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit und Gottesfurcht erfüllen.
(Aus einem bisher nicht übersetzten Tablet)
Aus Briefen Shoghi Effendis
64 Jetzt ist die Zeit, der göttlichen Sache siegbringenden, tatkräftigen Beistand zu leisten. Der Sieg des Glaubens Gottes hängt vom Lehren ab; und Lehren ist bedingt durch rechtschaffenes Handeln, wertvolle Taten und gutes Betragen. Der Grundstein eines Lebens auf dem Pfade Gottes ist das Streben nach sittlicher Vortrefflichkeit und das Erlangen eines Charakters, der mit Eigenschaften ausgestattet ist, die aus Seiner Sicht wohlgefällig sind. Die Bahá’í sollten sich mit diesem heiligen Gewand schmücken; mit diesem mächtigen Schwert sollten sie die Festungen der Menschenherzen erobern. Die Menschen sind allmählich der schönen Reden und Gespräche, der Predigten und Mahnreden überdrüssig und können sie nicht mehr ertragen. Das einzige, was heute die Welt von ihrer Pein befreien und die Herzen der Völker anziehen kann, sind Taten, nicht Worte; das Beispiel, nicht die Vorschrift; heilige Tugenden, nicht Erklärungen und Grundverträge, die von den Regierungen und Nationen zu gesellschaftspolitischen Angelegenheiten herausgegeben werden. In allen großen oder kleinen Belangen muß das Wort die Tat ergänzen und die Tat das Wort begleiten: jedes muß das andere vervollständigen, unterstützen und verstärken. Die Bahá'í müssen in dieser Hinsicht Auszeichnung zu erlangen suchen vor den Völkern und Nationen, welche die Erhabenste Feder mit folgenden Worten kurz beschrieb: »Ihre Worte sind der Stolz der Welt, und ihre Taten sind die Schande der Nationen.«
(8. Dezember 1923 an eine Bahá’í-Gemeinde übersetzt aus dem Persischen)
65 Die Arbeit, die die Bahá’í annehmen, die Aufgaben und pflichten, die sie erfüllen, sollten so sein, daß sie der Nation als Ganzes zum Nutzen gereichen und nicht nur einem kleinen Kreis hoher Beamten und einigen ausgewählten Personen zum Vorteil dienen. Außerdem sollten die geliebten Freunde und die Mitglieder der Räte unter den vielfältigen Umständen ihres Lebens und in all ihrem verschiedenartigen Geschäftsverkehr und ihren Betätigungen durch ihre Taten, ihr Verhalten und Auftreten versuchen, ihren Mitbürgern die Vortrefflichkeit dieser heiligen Sache vorzuführen, um deren Wahrheit zu beweisen und lebendiges Zeugnis für die Macht und die Erhabenheit ihres Geistes abzulegen. So sollten die Freunde vorgehen und sich nicht auf das Übermitteln der Botschaft, von Erläuterungen, Darstellungen und Erklärungen beschränken. 'Abdu’l-Bahá, der Hauptausleger des Glaubens Bahá’u’lláhs hat geschrieben:
Daher obliegt allen Bahá’í, über diese höchst heikle und lebenswichtige Angelegenheit in ihrem Herzen nachzusinnen, auf daß sie sich im Unterschied zu anderen Religionen nicht mit dem Lärm, dem Tumult und der Hohlheit religiöser Lehrmeinungen zufriedengeben mögen. Nein, sie sollten vielmehr in jeder. Lebenslage für jene Eigenschaften und Tugenden, die von Gott stammen, als Beispiel dienen und sollten sich erheben, um sich durch ihr angenehmes Verhalten auszuzeichnen. Sie sollten ihren Anspruch, Bahá’í zu sein, durch Taten rechtfertigen, nicht durch den Namen.
Der ist ein wahrer Bahá’í, der sich Tag und Nacht bemüht, auf dem Pfad menschlichen Strebens Fortschritte zu machen und vorwärts zu kommen, dessen glühendster Wunsch es ist, durch sein Leben und Handeln die Welt zu bereichern und zu erleuchten, dessen Quelle der Begeisterung das innerste Wesen göttlicher Tugend ist, dessen Lebensziel es ist, durch sein Verhalten zur Ursache unendlichen Fortschrittes zu werden. Nur wenn er solch vollkommene Fähigkeiten erlangt, kann von ihm gesagt werden, er sei ein wahrer Bahá’í. Denn in dieser heiligen Sendung, der ruhmreichen Krönung vergangener Zeitalter und Zyklen, ist wahrer Glaube nicht nur das Anerkennen der Einheit Gottes, sondern vielmehr das Führen eines Lebens, in dem alle Vollkommenheiten und Tugenden, die ein solcher Glaube in sich birgt, deutlich erkennbar werden.6
Seht, wie bestimmt und in nachdrücklichen Worten diese Erklärung 'Abdu’l-Bahás lautet und wie anspruchsvoll ihre Forderungen sind! Erst dann, wenn die Bahá’í in der Lage sind, ihren Charakter ganz und geziemend mit dem Schmuck dieser göttlichen Tugenden auszuzeichnen, werden sie vor den Augen der Welt in würdiger und angemessener Weise dastehen, und der Name Bahá’u’lláhs wird das Universum in Flammen setzen.
(30. Oktober 1924 an einen örtlichen Geistigen Rat übersetzt aus dem Persischen)
66 Nichts als die Fülle unserer Taten, nichts als die Reinheit unseres Charakters kann letzten Endes unseren Anspruch begründen, daß in der heutigen Zeit der Bahá’í Geist das einzige Mittel ist, das ein lange gehegtes Wunschbild in eine bleibende Errungenschaft umwandeln kann.
(24. November 1924 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas, veröffentlicht in » Bahá’í Administration: Selected Messages 1922 1932, rev. ed. (Wilmette: Bahá’í Publishing Trust, 1974), p. 68)
67 Dies ist der Tag für Vortefflichkeit in Charakter und Verhalten. Wir alle sollten uns mit diesem Schmuck des Königreiches zieren, solange wir noch in dieser Welt des Seins sind, so daß wir an der Schwelle des Allbarmherzigen angemessen dienen können.
(In der Handschrift Shoghi Effendis einem Brief hinzugefügt, der in seinem Auftrag an einen Gläubigen mit Datum vom 24. November 1924 geschrieben wurde Übersetzt aus dem Persischen)
68 Das Fortbestehen und die Stabilität, die eine Gesellschaft, Gruppe oder Nation erreichte, ist ein Ergebnis und abhängig von der Gesundheit und des Wertes der Grundsätze, nach denen das Führen ihrer Geschäfte und das Lenken ihrer Tätigkeiten ausgerichtet sind. Die Leitprinzipien der Bahá’í sind: Ehrlichkeit, Liebe, Wohlfahrtspflege und Vertrauenswürdigkeit, das Allgemeinwohl über das persönliche Interesse zu stellen und Frömmigkeit, Tugendhaftigkeit und Mäßigung zu üben. So werden schließlich ihr Schutz und ihr Glück sichergestellt. Welches Mißgeschick ihnen auch durch die List von Ränkeschmieden und Übelwollenden widerfahren mag, alles wird wie Wellen vergehen, und der Bedrängnis wird die Freude folgen. Die Freunde stehen unter dem Schutz der unwiderstehlichen Macht und unergründlichen Vorsehung Gottes.
Es besteht kein Zweifel, daß jede gesegnete Seele, die ihr Leben mit dieser alles beherrschenden Kraft in Einklang bringt, ihren Taten Glanz verleihen und reiche Belohnung er langen wird. Die Taten derer, die entscheiden, sich gegen sie zu stellen, sollten unsererseits keine Abneigung auslösen, sondern wir sollten für sie um Führung beten. So verhielten sich die Bahá’í in vergangenen Tagen, und so muß es jetzt und für immer sein.
(18. Dezember 1925 an einen Nationale Geistigen Rat übersetzt aus dem Persischen)
69 Die Pflichten der Mitglieder jener Geistigen Räte, die sich mit dem Lehren der Sache Gottes in den Ländern des Ostens befassen, wurden in den heiligen Schriften deutlich verankert.
Diese gebieten ihnen, für die Besserung der Sitten und die Verbreitung von Gelehrsamkeit zu arbeiten, sich um das Ausrotten von Unwissenheit und Unaufgeklärtheit zu bemühen, Vorurteile auszuMirzan und der Grundlage wahren Glaubens in Herz und Verstand der Menschen neue Kraft zu geben, danach zu trachten, Selbstvertrauen und das Vermeiden blinder Nachahmung zu entwickeln, das Ziel zu verfolgen, die wirksame Erledigung ihrer Angelegenheit zu steigern und in allen Lebenslagen auf Reinheit und Vornehmheit zu achten, ihr Festhalten an Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit zu zeigen sowie ihre Fähigkeit, sich offen, mutig und entschlossen zu verhalten.
Sie verlangen ebenso von ihnen, der landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung ihre Unterstützung zu gewähren, das Fundament für gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit zu festigen, die Emanzipation und den Fortschritt der Frauen zu fördern und für die allgemeine Schulpflicht für beide Geschlechter zu sorgen, zum Anwenden des Beratungsprinzips in allen Gesellschaftsschichten zu ermutigen und im gesamten Geschäftsverkehr einem Maßstab peinlich genauer Ehrlichkeit treu zu bleiben.
Überdies schärfen sie ihnen die Tugenden der Vertrauenswürdigkeit und Frömmigkeit, der Reinheit der Absicht, der Herzensgüte und Loslösung von den Fesseln dieser stofflichen Welt ein. Sie rufen sie auf, sich so zu läutern, daß sie über die verderbten und üblen Einflüsse, die die westliche Welt so gewaltig beherrschen, erhaben sind, und machen ihnen zur Pflicht, den Rat zur Mäßigung jederzeit und unter allen Umständen zu befolgen. Sie fordern sie auf, über die verschiedenen zeitgenössischen Wissenszweige, sowohl in der Kunst als auch in der Wissenschaft , ausführliche Erkundigungen einzuholen und ihre Aufmerksamkeit auf den Dienst am Gemeinwohl der Menschen zu konzentrieren, sich durch aufmerksames Studium der heiligen Schriften zu vertiefen und die darin enthaltene göttliche Führung auf die jeweiligen Verhältnisse, Erfordernisse und Zustände der heutigen Gesellschaft anzuwenden, die Teilnahme an den verworrenen Angelegenheiten der politischen Parteien zu unterlassen und sich für den Meinungsstreit der Politiker, das Gerangel der Theologen oder irgendeine der zeitgenössischen, kränkelnden Gesellschaftslehren weder zu interessieren, noch mitzumachen. Schließlich ermahnen sie sie, im Denken wie im Reden den Gesetzen, die von der Landesregierung ordnungsgemäß erlassen wurden, aufrichtig gehorsam zu sein und sich den Methoden, Auffassungen und schlecht begründeten Argumenten extremer Traditionalisten und Modernisten gleichermaßen fernzuhalten, den hervorragenden Vertretern von Kunst und Wissenschaft Ehre, Hochachtung und Wertschätzung zu erweisen und ihren Bemühungen beizupflichten, und jene, die umfassendes Wissen und die Bildung eines Gelehrten besitzen, zu schätzen und zu ehren, das Recht auf Gewissensfreiheit hochzuhalten und das Kritisieren und Verunglimpfen von Sitten, Bräuchen und Überzeugungen anderer Menschen, Völker und Nationen zu unterlassen.
All dies zählt zu dem, was die Völker des Ostens am dringendsten benötigen. Dies sind die grundlegenden, die bindenden, die unabwendbaren Pflichten der Treuhänder des Barmherzigen, der Vertreter der Bahá’í Gemeinden, der Mitglieder der Geistigen Räte.
(30. Januar 1926 an die Geistigen Räte im gesamten Osten übersetzt aus dem Persischen)
70 Im Zuständigkeitsbereich welches Staates oder welcher Regierung das Volk Bahás auch wohnen mag, es sollte sich ehrlich, aufrichtig, vertrauenswürdig und rechtschaffen verhalten. Es sollte sich mit den Herzen der Menschen beschäftigen und sich von den Schwankungen und den Begrenzungen der Welt des Zufalls fernhalten. Es dürstet weder nach Berühmtheit, noch ist es gierig nach Macht; es ist weder ein Meister der Falschheit und Heuchelei, noch trachtet es nach Reichtum und Einfluß. Es sehnt sich weder nach Pomp und Zeremoniell hoher Ämter, noch verlangt es nach dem Ruhm von Titel und Stand. Es verabscheut Heuchelei und Prahlerei, und das Anwenden zwingender Gewalt ist ihm zuwider. Es hat seine Augen vor allem außer Gott geschlossen und richtet sein Herz auf die sicheren und unbestreitbaren Verheißungen seines Herrn. Es hat die Bande irdischer Erwartung und Anhänglichkeit durchtrennt und sein Leben mit dem Unvergleichlich Geliebten verbunden. Sich selbst vergessend hat es seine Kräfte in die Arbeit für das Wohl der Gemeinschaft gesteckt, und beim standhaften Befolgen der gesunden und heilsamen Grundsätze des Glaubens Gottes hat es sich von den krankhaften Einbildungen, den unlogischen Anschauungen und verderblichen Ansichten der Opfer von Laune und Torheit abgewandt. Obwohl es wachsam die Annahme politischer Ämter ablehnt, sollte es von ganzem Herzen die Gelegenheit begrüßen, administrative Ämter zu übernehmen, denn das hauptsächliche Ziel des Volkes Bahás ist, die Interessen der Nation zu fördern und ihr Wohlergehen zu steigern, nicht die abwegigen Absichten und Ziele der Liederlichen und Schamlosen zu unterstützen. So verfahren die Bahá’í, so verhalten sich alle geistig erleuchteten Seelen, und alles andere ist offenkundiger Irrtum.
(Februar 1927 an die Gläubigen im gesamten Osten übersetzt aus dem Persischen)
71 Bei sich zuhause, ... beim Abwickeln des täglichen Geschäftsverkehrs, sollte sich die Gemeinde der Anhänger Bahá'u'lláhs vergewissern, daß sie angesichts der ganzen Welt und vor den Augen ihres wachsamen Meisters die lebenden Zeugen jener Wahrheiten sind, die Er liebevoll hegte und unermüdlich bis zum Ende Seiner Tage verfocht.
(12. April 1927 an den Nationalen Geistigen Rat der Vereinigten Staaten und Kanadas, veröffentlicht in »Bahá’í Administration«, p. 130)
72 Die Erhabenste Feder schrieb nieder: »Die Gottesfurcht ist der mächtigste Gebieter, der die Sache Gottes zum Siege führt, und die dieses Gebieters würdige Heeres macht sind zu allen Zeiten ein aufrechter Charakter und reine, edle Taten.«7 Das Volk Bahás sollte also sein Leben und seine Angelegenheiten in höchstem Maße heilig und fromm führen und leiten, und unnachgiebig verwerfliche Machenschaften und die unter den Menschen im Westen herrschenden beklagenswerten Sitten und Bräuche von sich weisen und nichts damit zu tun haben wollen. Frömmigkeit und Hingabe sollten das Ziel aller sein, die zu jenen gezählt werden, die diese Sache lieben, sowie der Schmuck jeder rechtschaffenen Seele; sonst wird langsam aber sicher das Licht, das der innersten Wirklichkeit der Menschenherzen durch die Tugenden der Menschenwelt verliehen wurde, flackern, verblassen und verlöschen, um von der verschlingenden Dunkelheit des Lasters und der Verderbtheit überwältigt zu werden. Höflichkeit und Würde bringen dem Menschen Adel und Ansehen ein, während Leichtsinn und derbe Witzigkeit, ordinäres Reden und Unverfrorenheit zu seiner Erniedrigung, Entwürdigung und Demütigung führen. Die Bahá’í sollten, ja, sie müssen sogar danach trachten, sich in allem auszuzeichnen, denn welchen anderen Unterschied gäbe es sonst zwischen ihnen und den anderen? Deshalb muß jede Tat, die darauf abzielt, die Würde der menschlichen Stufe zu schmälern, standhaft vermieden und gemieden werden
(21. Januar 1928 an einen Gläubigen übersetzt
aus dem Persischen)
73 Ihr Leben sollten sie so gestalten und ihr Verhalten so einrichten, daß keine noch so unbegründete Beschuldigung der Heimlichkeit, Falschheit, Bestechung oder Einschüchterung gegen sie vorgebracht werden kann.
(21. März 1932 an die Gläubigen in ganz Nordamerika, veröffentlicht in »Die Weltordnung Bahá’u’lláhs« Bahá’í Verlag 1977, S. 101)
74 Es (ein so rechtschaffenes Verhalten) muß im Geschäftsverkehr all ihrer Mitglieder, in ihrem Familienleben, in jeder Stellung und in jedem Dienst, den sie künftig ihrer Regierung oder ihrem Volk erweisen, ständig zu Tage treten.
(25. Dezember 1938 an die Gläubigen in ganz Nordamerika, veröffentlicht in »Das Kommen Göttlicher Gerechtigkeit«, Bahá’í-Verlag 1969, S. 44,45)
75 Sie haben die Frage, als Angestellter im Staatsdienst Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit kundzutun, zur Sprache gebracht. Dies sind Eigenschaften, die alle Tätigkeiten der Freunde auszeichnen müssen, und sie zu erwerben ist eine religiöse Pflicht, die jedem Gläubigen obliegt. Daß einige ihrer Vorgesetzten, für die sie arbeiten, ihre Bemühungen nicht würdigen oder ihre Arbeit nicht richtig einschätzen, sollte nicht verwundern. Der Grund für ein solches Verhalten ist, daß solche Menschen der Wahren Quelle der Gerechtigkeit, Unparteilichkeit und ehrlichen Gesinnung ferne sind. Wir sollten unseren Blick immer auf Gott richten und nicht auf die Taten Seiner Geschöpfe. Jedes makellose Handeln, alle unsere reinen Absichten werden das Lob des Einen Wahren erlangen, von Ihm gepriesen und verherrlicht und mit reichem Lohn aufgewogen werden.
(8. März 1948 an einen Gläubigen übersetzt aus dem Persischen)
Aus Briefen, die im Auftrag Shoghi Effendis an einzelne Gläubige geschrieben wurden
76 Mit wirklich großer Sorge hat er von den Schwierigkeiten gehört, die Ihnen in Ihrem Geschäft begegnet sind, und er war besonders betrübt über die Nachricht von dem erbitterten Wettbewerb, den Sie von ... erfahren, und die anscheinend entschlossen sind, Sie zu ruinieren und aus der Geschäft zu vertreiben trotz der Tatsache, daß Sie ihnen Wohlwollen erwiesen und sich geweigert haben, sie hart zu behandeln. Obwohl der Hüter ihnen empfiehlt, weiterhin ein solch wahres Bahá’í Verhalten der Nachsicht beizubehalten möchte er gleichzeitig, daß Sie nicht nachgeben und daß Sie sich durch keine Drohung von deren Seite entmutigen oder zermürben lassen. Wie unmoralisch die von ihnen angewandten Methoden auch sein mögen, Sie sollten fest davon überzeugt sein, daß solch böswillige Schliche auf die Dauer nicht erfolgreich sein können, und daß das für Sie wirksamste Mittel, um ihnen entgegenzuwirken, das rückhaltlose Beibehalten des in den Lehren geprägten wahren Maßstabes für geschäftliches Verhalten ist.
(31. Oktober 1938)
77 Zum Schluß möchte ich auch seine Genugtuung über die Besserung der geschäftlichen Verhältnisse von Herrn ... zum Ausdruck bringen. Er wird weiterhin darum beten, daß das hohe Maß an Rechtschaffenheit, das er bei seinen Geschäften so genau beibehalten hat, nicht nur dazu dienen möge, ihm die Bestätigung und den Segen Gottes einzubringen, sondern sich zusätzlich als ein wirksames Mittel weisen möge, um viele Seelen zum Glauben hinzuziehen.
(4. November 1940)
78 Hinsichtlich Ihrer Bemerkung, daß der Glaube selbstlose, liebestrunkene Anhänger, Menschen mit hervorragenden geistigen Begabungen, überzeugende und redegewandte Sprecher und Menschen mit materiellen Mitteln und der Fähigkeit, die Wahrheit unserer geliebten Sache zu verteidigen, braucht, beauftragte mich der Hüter, zu schreiben:
»Nötig ist Vortrefflichkeit in Charakter und Verhalten und das Befolgen der von Bahá’u’lláh geoffenbarten Gesetze. Dies sind die Magnete, die göttliche Bestätigung anziehen und die Mittel, um die Richtigkeit und Einzigartigkeit der Sache des Allherrlichen zu beweisen.«
Weiter hieß er mich schreiben:
»Mängel zu beseitigen ist ein allmählicher Vorgang. Fortwährend sind Ratschläge und Ermahnungen notwendig, so daß die Gemeinde Schritt für Schritt die verschiedenen Unzulänglichkeiten, mit denen zu kämpfen hat, gutmachen und ihre Angelegenheiten auf geplanter und wohlgeordneter Grundlage abwickeln kann.«
(12. Januar 1946)
79 Der Hüter ist der Ansicht, daß Ihre Haltung zu der Bestechungsmethode, Vermittlungsprovision von, und Apothekerkollegen anzunehmen, höchst bewundernswert ist. Je aufrichtiger und edler die Bahá’í in ihrem Verhalten sind, desto mehr werden sie die Öffentlichkeit mit der geistigen Lebenskraft der Religion, an die sie glauben, beeindrucken.
(20. Oktober 1953)
80 Er ist der Ansicht, Sie beide sollten die fachkundige Führung Ihres Geschäftes nicht nur als eine moralische Verpflichtung gegenüber allen Gläubigen betrachten, sondern auch als das, was als weise und richtig getan werden muß.
(6. Juli 1954)
Schluß
1 Aus dem Quran, Súrih der Kuh (Nr. 2), Vers 280
2 Der Name »Sádiq« bedeutet wörtlich »ehrlich« oder aufrichtig«
3 Quran, Súrih vom Mond (Nr. 54), Vers 55
4 »Das Werk der Täuschung«, vergl. Quran, Súrih von Ä121mrän (Nr. 3), V. 185 und Súrih Al Hadíd (Nr. 57), V. 20.
5 Kurah: Ein Name, gleichbedeutend mit großem Reichtum, erwähnt im Quran (in der Form »Qárún«) in Vers 76 der Súrih AI Qasas (Nr. 28).
6 Übersetzt von Shoghi Effendi und veröffentlicht in »The Bahá’í World«
7 Aus dem Kitáb i-Ahd, veröffentlicht in »Botschaften aus 'Akká«, Seite 250, 15:11)
Seite 4 von 4